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"Fridays for Future":Schüler-Eltern erhalten Bußgeldbescheid über 88,50 Euro

Eine Demo von "Fridays for Future" in Köln

(Foto: AFP)

Weil ihre Kinder unentschuldigt zu einer Klimaschutz-Demo gehen, sollen Eltern in Mannheim bezahlen. Die Familien protestieren dagegen - und verweisen in einem Brief auf die Namensgeber der Schule.

Wegen der Teilnahme ihrer Kinder an einer Demonstration der Klimaschutzbewegung "Fridays for Future" haben vier Mannheimer Familien Bußgeldbescheide bekommen. Das zuständige Regierungspräsidium Karlsruhe bestätigte, dass die Eltern jeweils 88,50 Euro zahlen sollen. Zuvor hatte der Mannheimer Morgen darüber berichtet, nachdem sich die Familien anonym bei der Zeitung gemeldet hatten. Konkret geht es in den Bescheiden um jeweils zwei unentschuldigte Fehlstunden der Schüler am 24, Mai.

Bei der Schule handelt es sich um das Geschwister-Scholl-Gymnasium im Mannheimer Stadtteil Vogelstang. Die Geschwister Sophie und Hans Scholl waren Mitglieder der Gruppe "Weiße Rose" und im Widerstand gegen die Nationalsozialisten aktiv. Beide wurden dafür hingerichtet. In ihrem Brief an den Mannheimer Morgen nehmen die Eltern Bezug auf das politische Engagement der Namensgeber des Gymnasiums, indem sie schreiben: "Wie kann eine Schule, die sich nach Sophie und Hans Scholl benennt, so mit Kindern umgehen, die sich politisch interessieren und engagieren?"

Einen Antrag auf Befreiung vom Unterricht hatten die Eltern nach Angaben des Regierungspräsidiums nicht gestellt. Der Klassenlehrer habe sie schriftlich darüber informiert, welche Konsequenzen ein unentschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht hat. Auch mit den Schülern seien mehrfach Gespräche geführt worden, teilte die Behörde unter Berufung auf Angaben der Schulleitung weiter mit.

Die Organisatoren von "Fridays for Future" wollen diesen Freitag für die Familien Spenden sammeln, um die Bußgelder zu bezahlen. Bei den Demonstrationen jeden Freitag setzen sich die Schüler für einen konsequenten Klimaschutz ein und lassen dafür auch Unterricht ausfallen. Den Anstoß für die Bewegung hatte die junge Schwedin Greta Thunberg gegeben.

Dem offiziellen Twitterkonto von "Fridays for Future" in Deutschland zufolge ist der Fall aus Mannheim der erste, in dem wegen der Teilnahme an einer Demo der Bewegung Bußgelder nicht nur angedroht, sondern auch verhängt worden sind. "Wenn wir - statt die Klimakrise zu bekämpfen - lieber diejenigen bestrafen, die uns darauf aufmerksam machen, stehen wir auf der falschen Seite der Geschichte", schreiben die Aktivisten dazu.

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