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Französischer Parlamentswahlkampf:Und Sarkozy geht joggen

"Frankreich braucht Nicolas Sarkozy" - doch der kümmert sich lieber um seine Fitness. Die französischen Konservativen müssen im Wahlkampf ohne den ehemaligen Präsidenten auskommen. Jetzt rangeln vor allem drei Politiker um Sarkozys Posten als Chef der Partei. Die Frage ist jedoch, ob die UMP überhaupt überlebt.

Nicolas Sarkozy ist von seinem Marokko-Urlaub heimgekehrt, joggt wieder im Bois de Boulogne, hält sich aber vom Parlamentswahlkampf fern. Sein Vertrauter und Ex-Innenminister Claude Guéant mag noch so sehr betteln: "Frankreich braucht Nicolas Sarkozy." Doch der abgewählte Präsident belässt es bei seiner Ankündigung, sich aus dem politischen Kampf zurückzuziehen. Seine Sammlungspartei UMP, die er ein Jahrzehnt lang geprägt hat, muss nun ohne ihn auskommen.

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Nicolas Sarkozy im Jahr 2007 beim Treppenlauf am Élysée Palast - er joggt noch immer.

(Foto: AFP)

Bislang hatte die UMP in der Nationalversammlung 305 Abgeordnete und damit eine klare Mehrheit. Kaum einer glaubt, dass es dabei bleibt. Vielmehr droht der "Union pour un Mouvement Populaire" (Union für eine Volksbewegung) erstmals seit ihrer Gründung im Jahr 2002 der Machtverlust. Die Parteistrategen versuchen, eine Niederlage wenigstens in Grenzen zu halten. Sie warnen die Wähler davor, der Linken alle Macht zu überlassen. "Ohne Gegengewicht gerät Macht immer außer Kontrolle", sagt Ex-Außenminister Alain Juppé.

In Wahrheit denken die Politiker der UMP längst über die Parlamentswahl hinaus. Hinter den Kulissen vollzieht sich bereits der Machtkampf um die Nachfolge Sarkozys in der Führung der Partei. Ex-Premier François Fillon und UMP-Generalsekretär Jean-François Copé sammeln ihre Gefolgsleute. Im November soll die Entscheidung fallen.

Der gemäßigte, zur politischen Mitte hin tendierende Fillon kann darauf verweisen, dass er unter Sarkozy fünf Jahre lang als Premier durchgehalten hat - eine bemerkenswerte Leistung. Außerdem ist der freundliche und gelassene Fillon wesentlich populärer als der kämpferische Copé, der politisch weiter rechts steht. Für Copé hingegen spricht, dass er den Parteiapparat hinter sich weiß. Manche Beobachter vermuten zudem, Sarkozy selbst tendiere eher zu Copé.

An fähigen Kandidaten fehlt es in der UMP nicht

Falls die beiden Rivalen sich neutralisieren sollten, stünde ein dritter Mann bereit: der frühere Außenminister Juppé. Der Bürgermeister von Bordeaux gilt als kühl und wenig zugänglich, aber auch als besonnen und staatsmännisch. Der gaullistische Ex-Präsident Jacques Chirac sagte einmal über Juppé: "Er ist wahrscheinlich der Beste von uns." Es fehlt also nicht an fähigen Kandidaten in der UMP, zumal aus den jüngeren Reihen ehrgeizige Leute wie Ex-Europaminister Laurent Wauquiez nachdrängen.

Die Frage ist jedoch, ob die UMP überhaupt überlebt. Sie ähnelt eher einem Präsidentenwahlverein als einer programmatisch geschlossenen Partei im deutschen Sinne. So treffen in der UMP rechtskonservative, bürgerliche, liberale und sozialliberale Kräfte zusammen. Eine schwere Niederlage bei der Parlamentswahl könnte sie auseinanderreißen.

Genau darauf arbeitet Marine Le Pen hin, die Parteichefin des rechtsextremen Front National. Sie hat bei der Präsidentschaftswahl fast 18 Prozent der Stimmen erreicht und setzt nun darauf, die UMP zu spalten, den rechtskonservativen Flügel zu sich herüberzuziehen und so zur Anführerin der gesamten französischen Rechten zu werden. Die bislang regierenden Parteien aller Couleur hätten das Land in den Abgrund geführt, behauptet sie.

Marine Le Pens Problem ist jedoch das Mehrheitswahlrecht. Es führt dazu, dass der Front National - trotz zweistelliger Ergebnisse - seit Langem nicht mehr in der Nationalversammlung vertreten ist. Bei dieser Parlamentswahl dürften es zwar wieder zahlreiche Kandidaten des Front in die Stichwahl schaffen. Die allermeisten aber werden dort scheitern.

Gewisse Chancen hat Marine Le Pen selbst, die den Parteivorsitz 2011 von ihrem Vater Jean-Marie übernahm.

Sie trifft in ihrer nordfranzösischen Hochburg Hénin-Beaumont unter anderem auf Jean-Luc Mélenchon, den Chef der Linksfront. Auf die Wahlaussichten ihres Front National angesprochen, gibt sich Marine Le Pen derzeit ungewohnt bescheiden: "Ein Sitz wäre ein Sieg, zwei Sitze wären ein Triumph", sagte sie.