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Frankreich:Verbundenheit am Tag der Symbole

Beim Spektakel zum französischen Nationalfeiertag wollen Macron und Merkel demonstrieren, dass ihre beiden Länder nicht mehr streiten.

Bastille Day celebrations

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron umarmt Bundeskanzlerin Angela Merkel.

(Foto: Kamil Zihnioglu/Reuters)

Die große Geste hat sich Emmanuel Macron für den Schluss aufgehoben. Als alle Truppenverbände die Champs-Élysées hinuntermarschiert sind, alle Reiterstaffeln und alle Panzer die Prachtmeile herabparadiert und die Kampfjets im Formationsflug über Paris hinweggedonnert sind, bittet Frankreichs Präsident Angela Merkel von der Ehrentribüne.

Die deutsche Kanzlerin soll mit ihm Veteranen und Kriegsversehrte begrüßen. Und als sie das getan hat und wieder hinaufgeht auf die Tribüne, von der aus Macrons Regierung und hohe Militärs das Spektakel zum französischen Nationalfeiertag verfolgen, da schallt Merkel warmer Applaus entgegen.

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Nationalfeiertag in Frankreich

Große Gesten und ein fliegender Soldat

Frankreich begeht seinen Nationalfeiertag mit einer Militärparade. Mit dabei: die Bundeskanzlerin und weitere führende europäische Regierungschefs. Hingucker ist jedoch jemand anderes.

Es ist ein kurzer, aber symbolbeladener Moment. Mehrere weitere europäische Staats- und Regierungschefs sind auf der Tribüne. Doch nur für die Bundeskanzlerin hat Macron ein solches Zeichen der Verbundenheit übrig. Er weiß, dass Merkel und das politische Gespann, das er mit ihr bildet, an diesem Sonntag im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Nach Monaten, in denen es Verstimmungen gab, in denen Macron von Konfrontation sprach und die Kanzlerin sagte, sie ringe mit dem Präsidenten, soll das unmissverständliche Signal sein: Deutschland und Frankreich streiten nicht mehr - weil sonst nichts vorangeht in Europa.

Die Kanzlerin mag pompöse Zeremonien nicht

Erst rauften sich Merkel und Macron zusammen und einigten sich bei der Berufung einer neuen EU-Kommissionspräsidentin auf die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Jetzt nutzen sie die traditionell militärlastigen Feiern zum 14. Juli, um im Anschluss beim Mittagessen zusammen mit Vertretern von acht weiteren EU-Staaten die sogenannte Europäische Interventionsinitiative voranzutreiben - einen Versuch, eine deutlich engere Zusammenarbeit zwischen den nationalen Generalstäben in der EU zu etablieren.

Merkel hatte diese Idee Macrons und sein dahinterstehendes Fernziel einer "richtigen europäischen Armee" schon früher gutgeheißen. Am Sonntag nun sagt sie, sie sehe Macrons Einladung an die EU-Partner "als große Geste in Richtung der europäischen Verteidigungspolitik". Sie sei geehrt, dass auch deutsche Soldaten bei der Parade dabei sein durften. Die Deutsch-französische Brigade, ein Verband aus beiden Ländern, stellt tatsächlich sogar eines der größten Kontingente. Die Zeiten, in denen manche Franzosen ein Problem damit hatten, wenn Bundeswehrsoldaten die Feiern zum 14. Juli mitmachten, sind lange vorbei.

Es geht um Symbolik beim französischen Nationalfeiertag. Um eine Demonstration der militärischen Stärke Frankreichs, wenn mehr als 4000 Armeeangehörige über die Champs-Élysées ziehen und Alpha Jets die Trikolore in den Himmel malen. Merkel, nicht als Anhängerin pompöser Zeremonien bekannt, verfolgt das Schauspiel geduldig. Mehr als eine Stunde lang muss sie am Stück stehen - von Zitteranfällen keine Spur. Der Ausflug nach Paris mag eine willkommene Ablenkung sein von den Debatten, die in Deutschland um ihre Gesundheit geführt werden.

Aber am Sonntag geht es eben auch um europäische Symbolik. Und die ist an die militärisch Mächtigen der Welt gerichtet - besonders an Donald Trump. Vor zwei Jahren war es noch der US-Präsident, den Macron als Ehrengast am 14. Juli begrüßte. Nun soll ihm die neue Militärinitiative der Europäer zeigen, dass sie sich zu ihrer Verteidigung nicht mehr allein auf die USA verlassen. "Nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Europa so notwendig", sagt Macron. Der Aufbau eines "Europas der Verteidigung" habe Vorrang für ihn. Das solle allerdings in Abstimmung mit der Nato passieren, deren Generalsekretär Jens Stoltenberg bei dem Treffen in Paris auch dabei ist. Keine Rede ist bei den Feierlichkeiten davon, dass frühere EU-Pläne für eine europäische Streitmacht entweder gar nicht oder nur mühsam vorankamen. Dafür kündigt Macron nach US-Vorbild auch noch die Schaffung eines französischen Weltraumkommandos an, um für die Kriege der Zukunft gerüstet zu sein - jene, die im All geführt werden.

Paris holt am Sonntag bald wieder die irdische Realität ein: Als die Champs-Élysées wieder für den Verkehr freigegeben werden, kommt es zu Ausschreitungen zwischen der Polizei und den sogenannten Gelbwesten. 180 Demonstranten werden festgenommen.

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