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Foto-Kampagne der Grünen:Frau Löhrmann hat sich lieb

Eine Kampagne der Grünen sollte auf wichtige Frauenthemen hinweisen - das ist gelungen, wenn auch nicht so, wie sie sich das vorgestellt haben.

(Foto: Die Grünen NRW)

Die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann will für Gleichberechtigung werben - und wählt dafür ein rätselhaftes Bildmotiv. Auf Twitter folgt ein Schlagabtausch mit einem CDU-Rivalen.

Es gibt, ein jeder Kunsthistoriker kennt das aus dem Studium, diese Sorte von Bildern, bei denen man stundenlang davorstehen kann und am Ende doch nicht weiß, was sie eigentlich bedeuten sollen. Entweder sind die Anspielungen des Künstlers zu fein, als dass man sie mit einem durchschnittlichen Fachwissen dechiffrieren könnte, oder aber ihr Inhalt ist derart banal, dass die Suche nach Symbolen obsolet ist.

Es soll an dieser Stelle offen bleiben, welche Art von Bild Sylvia Löhrmann, die grüne Schulministerin in Nordrhein-Westfalen, anlässlich des Weltfrauentages geschaffen hat. Klar ist nur: Die Fotografie zeigt Löhrmann mit geschlossenen Augen, den rechten Arm über die linke Schulter gelegt, den linken um die rechte Hüfte geschlungen. Die Pose ist eine pantomimische Antwort Löhrmanns auf die Frage "Wie sieht für dich Gleichberechtigung aus?" Die Grünen haben das Bild im Zuge einer Gleichberechtigungs-Kampagne in den sozialen Netzwerken publiziert.

Und genau da fangen die Spekulationen an. Handelt es sich um die Darstellung einer Ministerin, sich selbst umarmend? Ist die Geste gar als Ausdruck einer gewissen Selbstgenügsamkeit zu deuten? Oder ist die Antwort viel simpler und es war einfach nur kalt am Rande des sogenannten kleinen Parteitags der Grünen in Mülheim, wo das Bild entstanden ist? Vielleicht, auch daran sei gedacht, handelt es sich aber auch um Lockerungsübungen oder es kratzt einfach nur der Blazer.

"Was will uns die NRW-Schulministerin sagen???", twitterte Armin Laschet, der Vorsitzende der Landes-CDU, am Mittwoch. Die Ministerin antwortete auch prompt und gab so einer breiteren Öffentlichkeit Einblick in die eigentümliche Ikonografie des Bildes: "Gleichberechtigung fühlt sich gut an!", erklärte sie einem offensichtlich amüsierten Laschet und fügte hinzu: "Mensch, da hätten Sie eigentlich selbst draufkommen können."

Die Deutung eines anderen Internetnutzers, ob Gleichberechtigung für Löhrmann lediglich bedeute, sich selbst am nächsten zu sein, tat diese sodann als "Quatsch" ab: "Spontane Geste, darf auch mal sein!" Mehr erfährt man allerdings nicht über die Entstehungsgeschichte jenes Fotos, das im Netz schon jetzt Kultstatus erreicht hat.

Tatsächlich konnten die Grünen am vergangenen Sonntag mehr als 50 Delegierte mobilisieren, die sich an der Foto-Kampagne "Gleichberechtigung ohne Worte" beteiligten. Man sieht dort unter anderem den Landtagsabgeordneten Arndt Klocke, wie er sich am Kopf kratzt. Dazu die Frage: "Würdest Du Dich als ,Feminist' bezeichnen?"

Verweis auf den Vulkaniergruß

Eine Mitarbeiterin des Europapolitikers Sven Giegold, offenkundig beflissen in der Symbolik der Science-Fiction-Serie Star Trek, spreizt die Finger zum Vulkaniergruß - ein Statement auf die Frage: "Wofür stehst du am Internationalen Frauentag?" Und der Netzpolitiker Malte Spitz übergibt sich, pantomimisch natürlich, in eine leere Vase. Daneben steht: "Dein Kommentar zur Frauenquote in der Großen Koalition?"

Viele Internetnutzer konnten sich für den Humor der Grünen allerdings nicht erwärmen. Facebook-Kommentatoren kritisierten die Bildergalerie als "unsagbar depperte Aktion", "unfassbar schlecht", "unglaublicher Mist".

Ein Sprecher der Grünen sagte der Süddeutschen Zeitung am Mittwoch, man finde die Aktion "nach wie vor nicht schlecht", das Thema sei sehr wichtig. Doch offenkundig sei die Kampagne dann "doch nicht so lustig wie gedacht".