Zuerst hatte ich ja noch Glück. Ich habe in Aleppo Communications Engineering studiert, also alles Technische darüber, wie Satelliten, Antennen, Radar und so weiter funktionieren. Eigentlich muss man in Syrien ab 18 zur Armee, aber wenn man studiert, geht es später. Ich habe vor fast zwei Jahren meinen Abschluss gemacht, da war ich 24. Dann war es vorbei mit der Schonung, dann hätte ich zum Kämpfen gemusst. Entweder für Assad oder für die Freie Syrische Armee. Ich will aber nicht kämpfen. Ich will niemanden töten, ich mag kein Blut, ich halte das alles für falsch.

Also bin ich nach Ägypten. Dort war es nicht schlecht, aber spätestens seit Präsident al-Sisi an der Macht ist, fühlt man sich als Syrer alles andere als willkommen. Zurück konnte ich auch nicht. Stattdessen bin ich nach Istanbul gegangen, dort habe ich eineinhalb Jahre lang in der Textilindustrie gearbeitet. Eine ziemlich dämliche Arbeit, das ist nicht meins, aber ich brauchte das Geld. Alles lief schwarz, es war ein echter Ausbeuterladen. Wir haben 13 Stunden am Tag gearbeitet, frei hatten wir nur am Sonntag, und das alles für 400 Dollar im Monat. Dann habe ich mich wieder auf den Weg gemacht, über Griechenland und Mazedonien bis Serbien. Ich würde gerne nach Norwegen. Ich habe mich erkundigt, Oslo soll eine sehr gute Universität haben. Gerne würde ich da meinen Master machen. Ich war einer der besten an meiner Uni in Aleppo. Jetzt versuchen wir gerade, rauszufinden, ob wir besser mit dem Bus oder mit dem Zug nach Kroatien weiterfahren. Es ist hart, aber ich schaffe das. Wir können gern ein Foto machen, aber so sehe ich sonst nicht aus - ich bin gerade echt müde, sorry.

Saad al Ebrahim, 26, aus Aleppo, Syrien

Bild: Elisa Britzelmeier 6. November 2015, 16:582015-11-06 16:58:01 © SZ.de