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Fleischindustrie:Knallhartes Geschäft

Die Schlachthöfe stehen vor einem selbst verschuldeten Desaster.

Von Markus Balser

Tausende von ihnen arbeiten im Oldenburger Land und im Emsland. Sie kommen aus Polen, der Ukraine, aus Rumänien oder Bulgarien. Sie arbeiten in Schlachthöfen, zerlegen im Akkord Schweine, Rinder, Hähnchen. Das wohlhabende Deutschland ist zu einem Billiglohnland für Schlachter geworden - mit teils schlimmen Arbeitsbedingungen. Denn Vorgaben wie Mindestlohn oder Mitbestimmung existieren vielerorts nur auf dem Papier.

Die Lage in den Schlachtbetrieben ist beschämend für dieses reiche Land. Diese Unternehmen sind nicht umsonst zu Sperrzonen geworden, die mit hohen Mauern und Stacheldraht vor neugierigen Blicken geschützt werden. Der Handel mit Fleischprodukten gilt als knallhartes Milliardengeschäft, in dem zu häufig um Centbeträge gerungen wird und viel zu selten um das Wohl der Beschäftigten oder die Bedingungen für die Tiere.

Dass einige Betriebe nun zum Corona-Brennpunkt werden, ist für Sozialverbände keine Überraschung. Seit Jahren warnen etwa Gewerkschaften vor den Risiken durch Massenunterkünfte für die Beschäftigten. Doch die Politik strich Kontrollen in den vergangenen Jahren zusammen, statt sie auszuweiten. Behörden schauten weg statt hin. Nun stehen die Branche und die Politik vor einem selbst verschuldeten Desaster.

© SZ vom 11.05.2020
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