Nicola Beer:Lindner soll Kopplung von Kandidatur und Partei-Spitzenamt unterstützt haben

Das mit der Kraft lässt sich durchaus wörtlich nehmen. Beer ist, zumindest was die Farben angeht, auch in Bielefeld und überhaupt in diesem Wahlkampf sehr kräftig im Auftritt. Abwechselnd knall blau, knall orange oder knall pink kämpft sie um ihre Wähler.

Ob das ihr aber die Flügel verleiht, die sie jetzt benötigen würde, kann niemand so recht sagen. Zumal es nicht nur das Ergebnis selbst ist, das ihr wehtut. Es ist auch sein Zustandekommen. In der öffentlichen Wahrnehmung war nur sie es, die da eine vermeintlich verrückte Idee hatte. Unmittelbar vor und während des Parteitags jedenfalls hatte sich bei den allermeisten die Erzählung durchgesetzt, Beer habe im Alleingang gehandelt und sei mit ihrem persönlichen Ehrgeiz nicht mehr zu stoppen gewesen.

Das Ergebnis: Sie allein sei es gewesen, die unbedingt das Duell mit der bisherigen Parteivize Marie-Agnes Strack-Zimmermann gesucht habe. Und weil die Düsseldorferin Strack-Zimmermann zur Befriedung der Lage freiwillig verzichtete, wurde sie gefeiert, während Beer abgewatscht wurde.

Ob das wirklich die ganze Geschichte gewesen ist? Wer genau hinhört, kann da jedenfalls leise Zweifel bekommen. So kursiert mittlerweile auch die Variante, dass nicht nur Beer selbst ihre Kandidatur für den Stellvertreterinnenposten für eine gute Idee hielt, sondern - mindestens ursprünglich - auch ihr Parteichef. Als Christian Lindner vor mehr als einem Jahr zusammen mit Beer und möglicherweise auch noch dem einen oder der anderen mehr über die EU-Spitzenkandidatur nachdachte, soll nicht nur sie, sondern auch Lindner die Kopplung von Kandidatur und Partei-Spitzenamt unterstützt, wenn nicht sogar selbst ins Spiel gebracht haben. Lindner selbst mochte auf eine direkte Anfrage dazu nichts kommentieren.

Dass die Geschichte aber mehr als nur die eine Erzählung verdient haben könnte, wird durch das lange Überlegen und Zögern bei der Suche nach einer Nachfolgerin für Beer als Generalsekretärin bestätigt. Bis Lindner sich am Ende für Linda Teuteberg entschieden hatte, waren auch andere Namen im Rennen gewesen, darunter der Sozialexperte Johannes Vogel und Katja Suding, eine weitere Stellvertreterin des Parteichefs. Hätte sich Lindner für die Hamburgerin Suding entschieden, wäre für Beer ohne jeden Streit ein Platz frei geworden.

Als sich Lindner (offenbar spät) für Teuteberg entschied, gab es mit einem Mal den Konflikt mit Strack-Zimmermann. Glaubt man den Schilderungen, die jetzt zu hören sind, dann gab es keine großen Versuche der Moderation oder Schlichtung mehr. Erst recht nicht auf der offenen Bühne des Parteitags.

In Bielefeld spricht darüber offiziell natürlich niemand. Stattdessen stellen junge Leute ihre neuesten Ideen vor. Eine Frau Ende zwanzig hat ein Start-up gegründet, mit dem sie Immobilienunternehmen visualisierte Exposés von Wohnungen und Häusern anbietet; ein Kollege schildert, wie er Internet-Händlern hilft, durch Marktanalysen bessere Kreditbedingungen zu erreichen. Und eine dritte Jungunternehmerin erzählt, dass sie eine Technik und eine App entwickelt hat, mit der sich Angestellte anonym an ihr Unternehmen wenden können, wenn sie sich gemobbt fühlen.

Bislang, berichtet die junge Frau, richte sich die Idee vor allem an größere Unternehmen. Dort sei es am ehesten möglich, damit auch tatsächlich Geld zu verdienen. Aber natürlich gebe es einen entsprechenden Bedarf auch an Schulen, in Vereinen, in Kirchen.

Beer nickt während des kleinen Vortrags sehr entschieden. Sie findet die Idee nachgerade großartig, weil das Problem bis heute ein besonders verstecktes sei und noch immer nicht offen behandelt werde. Dass sie in diesem Moment auch an die eigene Partei denkt, ist zwar nicht garantiert, aber nach den jüngsten Erlebnissen auch nicht mehr ausgeschlossen.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir die Founders Foundation fälschlicherweise hinter der "alten Handelskammer" in Bielefeld verortet. Das Gebäude, in dessen Anbau die Start-up-Kaderschmiede sitzt, ist jedoch die "frühere Handwerkskammer".

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