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FDP: Netzwerke:Politik ist ein gefährliches Geschäft

Alleiniger Gastgeber des Abends ist Manfred Schmidt jedoch nicht. Im Briefkopf der Einladung, die sueddeutsche.de vorliegt, steht rechts neben dem in Großschrift gehaltenen Namen von Manfred Schmidt in gleicher Größe der Name des ehemaligen Außenministers und Ehrenvorsitzenden der FDP, Hans-Dietrich Genscher. Beide verbindet eine lange Freundschaft. Genscher und Schmidt bitten in der Einladung "vor den offiziellen Gedenkveranstaltungen des Mauerfalls" herzlich zu einem "ungezwungenen Abend", in einem "kleinen, auserwählten Kreise".

Manfred Schmidt fährt auf keinem Parteiticket. Er hält Kontakte in alle Parteien. Zu seinen Gästen gehören SPD-Größen wie Peer Steinbrück oder der Grünen-Chef Cem Özdemir. Auch der Linke Gregor Gysi wurde schon auf seinen Feten gesichtet. Die enge Verbindung zu Genscher aber gilt als Nukleus seiner ausgezeichneten Kontakte in die FDP hinein.

Wenn Genscher zu Westerwelle sagt, dem Schmidt könne er vertrauen, dann vertraut Westerwelle dem Schmidt, sagt einer, der sich mit dem Innenleben der FDP gut auskennt. Und dann vertraut eben auch der Mronz dem Schmidt.

Dass die Geschäfte von Manfred Schmidt nicht mehr so gut laufen können wie einst, ergibt sich aus der Wirtschaftskrise. Früher haben ihm die Dax-Konzerne das Geld hinterhergeworfen, damit er in ihrem Namen "Medien-Treffs" organisiert. Die Hitze des Finanzchaos aber hat die Budgets für solche Netzwerk-Treffen schmelzen lassen.

Ergo: Schmidt muss die Kosten auf mehr Schultern verteilen. Er muss neue Geschäftsfelder suchen. Er braucht Sponsoren im großen Stil, wenn die Einnahmen stimmen sollen. Und er benötigt einen Partner, der sich auskennt im Geschäft und die nötigen Kontakte hat, auch und vor allem in die Politik.

Er braucht einen wie Michael Mronz.

Den erfolgreichen Sportvermarkter scheint es geradezu zu drängen, seinen Marktwert als Partner von Westerwelle auszutesten. Mronz ist durch diese Liaison in die Liga der Prominenten aufgestiegen. Welche Türen würden sich jetzt öffnen, die vielleicht verschlossen war? Welche Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft könnten plötzlich mit ihm zusammenarbeiten?

Insider sagen, Mronz habe sich auf einen Handschlag-Deal mit Schmidt eingelassen. Schmidt neigt nicht dazu, solche Übereinkommen schriftlich abzusichern, ist zu hören. Offiziell dementieren beide. Aber es gibt nun mal die gemeinsame Sponsoren-Akquisition zum politischen Treff in Düsseldorf.

Viele aus dem Marketing- und Eventmanagement-Umfeld wundern sich, dass Mronz diese neue Richtung einschlägt. Sie sehen Gefahren für das Kerngeschäft von "Micky", wie ihn Freunde nennen. Politik ist ein gefährliches Geschäft.

Die nötige öffentliche Zurückhaltung jedenfalls legt Mronz nicht gerade an den Tag. Als erste Kritik daran aufkeimt, dass der Spezialist für Sportevents Westerwelle ins WM- und Olympialand Brasilien begleitet, stellen sich die beiden Reisenden erst recht gemeinsam den Kameras. Und als es für Mronz kurz zuvor galt, die Eröffnung eines Luxushotels in Bonn zu managen, da sprach wie zufällig auch Guido Westerwelle ein Grußwort.

Objektiv gibt es die Chance, dass Mronz dank seiner Verbindungen zusammen mit Altmeister Schmidt in die erste Liga des Veranstaltungswesens aufsteigt. Doch da ist jetzt die missratene Sache mit dem "Länderdialog 2010" zwischen NRW und Bayern am 9. März, nach der gemeinsamen Kabinettssitzung der Landesregierungen.

Vorbild war der im Dezember 2009 zum dritten Mal veranstaltete "Nord-Süd-Dialog" zwischen Niedersachsen und Baden-Württemberg, die wie NRW und Bayern schwarz-gelb regiert werden. Diese Reihe hatte Schmidt noch im Alleingang organisiert.

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