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FDP:Ins Gerede kommen

Wie die FDP sich selbst nicht ins Gespräch, aber ins Gerede bringt.

FDP-Politiker zu sein ist auch nicht der leichteste Job, der derzeit in Deutschland zu vergeben ist. Alle gucken, was die Regierung so macht, da bleibt nicht allzu viel Aufmerksamkeit für die Opposition; erst recht nicht für deren freidemokratischen Teil. In der Corona-Krise suchen die meisten Menschen Schutz durch den Staat. Eine Partei, zu deren Markenkern die Warnung vor dem Staat gehört, hat es da besonders schwer. Was also tun, um sich halbwegs im Gespräch zu halten?

Der 72-stündige Ministerpräsident von Thüringen, Thomas Kemmerich, hatte die Idee, bei einer Demonstration mitzulaufen, ohne dabei auf Abstand, Maske sowie die Mitmarschierer von der AfD und weitere Obskuranten zu achten. Der Landesvorsitzende von Baden-Württemberg, Michael Theurer, macht dem Tübinger OB Boris Palmer das Angebot, von den Grünen zu den Liberalen zu wechseln. Wolfgang Kubicki, der Schleswig-Holsteiner, lässt in einer Talkshow den Satz fallen: "Wer Angst hat, soll zu Hause bleiben." Kaltherzige aller Bundesländer, vereinigt euch, und zwar in der FDP?

Alles Äußerungen, mit denen man rasch Beachtung findet - aber in der Art, wie sie auch ein Musiker fände, der immer beim Dis landet, wenn er das Cis treffen will. Die FDP will ins Gespräch, kommt aber ins Gerede.

© SZ vom 12.05.2020

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