Fake News:Nachhilfe von Facebook

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Das Unternehmen informiert Nutzer in 14 Ländern per Hinweis darüber, wie sie Falschmeldungen im Netz erkennen können. Auch sollen sich Seiten mit ausgedachten News nicht mehr finanziell lohnen.

Von Simon Hurtz

Ein paar hundert Millionen Menschen erhalten in den nächsten Tagen kostenlose Nachhilfe von Facebook. Von Freitag an sehen Nutzer in Deutschland und dreizehn anderen Ländern einen großen Hinweis, wenn sie die App oder die Webseite öffnen. Wer darauf klickt, bekommt zehn Tipps, um Falschmeldungen zu identifizieren und zu überprüfen, wie verlässlich eine Quelle ist. "Falschmeldungen schaden der Community, untergraben das Vertrauen und sorgen dafür, dass Menschen schlechter informiert sind", sagt Adam Mosseri, bei Facebook für den Newsfeed verantwortlich. "Wir alle stehen in der Verantwortung, wenn es darum geht, die Verbreitung von Falschmeldungen einzudämmen."

Facebook will das mit drei Maßnahmen erreichen: Erstens soll es sich finanziell nicht mehr lohnen, Nachrichten zu erfinden und in die Welt zu setzen. Für viele Spammer ist es lukrativ, sich aufsehenerregende Falschmeldungen auszudenken und diese auf einer Seite mit vielen Anzeigen zu präsentieren. Zweitens möchte Facebook verhindern, dass Falschmeldungen im Newsfeed auftauchen. Dazu gehören Änderungen am Algorithmus und die Zusammenarbeit mit Partnern wie dem deutschen Recherchezentrum Correctiv, die Meldungen auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen. Drittens sollen Nutzer lernen, bewusster mit Nachrichten umzugehen, die sie angezeigt bekommen. Facebook hofft, dass mehr Informationen und mehr Medienkompetenz Menschen vorsichtiger machen.

"Wir wollen nicht selbst zum Schiedsrichter werden", sagt Mosseri. Das Unternehmen dürfe sich nicht anmaßen, selbst zwischen Lüge und Wahrheit zu unterscheiden. Seit Trumps Wahlsieg sind "Fake News" zum Modewort geworden. Mosseri hält das für einen "unpräzisen und politisch motivierten" Ausdruck. "Wir müssen so genau wie möglich sein. Mit Falschmeldungen meinen wir Meldungen, die mit Absicht so angelegt sind, dass sie mit echten Nachrichten verwechselt werden können, aber keine Faktengrundlage besitzen."

Mit dieser Definition grenzt sich Facebook von vielen Medien und Politikern ab, die "Fake News" gerne in Zusammenhang mit missliebigen Interpretationen des realen Nachrichtengeschehens verwenden. Mosseri schließt umstrittene Seiten wie Breitbart explizit aus: "Kontroverse Sichtweisen sind keine Fake News. Auch wenn wir nicht mit diesen Meinungen übereinstimmen, müssen wir sie respektieren." Er glaubt, dass sich Facebook aus politischen und ideologischen Debatten heraushalten solle. Dennoch: Dass Facebook sich überhaupt um die Auswirkungen von Falschmeldungen sorgt, ist ein bemerkenswerter Wandel. Jahrelang beharrte das Unternehmen darauf, eine neutrale Plattform ohne inhaltliche Verantwortung zu sein.

Kritisch sieht Mosseri das sogenannte Netzwerkdurchsetzungsgesetz, das am Mittwoch im Kabinett beschlossen wurde. Indem sie hohe Bußgelder androht, möchte die Bundesregierung Plattformen wie Facebook dazu bringen, konsequenter gegen strafbare Inhalte vorzugehen. "Bislang haben Gerichte entschieden, was illegal ist und was nicht", sagt Mosseri. "Jetzt sollen dafür private Unternehmen wie Facebook verantwortlich sein. Das ist beunruhigend."

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