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Exodus aus Kosovo:Erst wenn das Land einen Aufschwung nimmt, wird der Exodus enden

Am Freitag berieten die Innenminister aus Bund und Ländern in einer Telefonkonferenz, was zu tun sei. Das Bundesinnenministerium stellte seine Pläne vor: 20 Bundespolizisten helfen serbischen Grenzschützern. Zwischen Budapest, Wien und München, einer der Haupttransitrouten, soll es mehr Kontrollen im Zug geben; in Deutschland sollen die Kosovaren an möglichst wenigen Orten untergebracht werden, um sie für die Asylverfahren rasch erreichen zu können, wie Teilnehmer berichteten.

Beschleunigung sei das Gebot der Stunde, heißt es parteiübergreifend bis hin zu Kretschmann. Das Bundesinnenministerium will die Asylverfahren von Kosovaren in den besonders geforderten Ländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg binnen zwei Wochen abschließen. Doch hilft das wirklich weiter?

Die zwei Wochen sind ein Ziel, das selten erreicht werden wird. Es bedeutet nur, dass die Asylprüfer eine erste Entscheidung getroffen haben sollen. Doch nach dem ersten Asylantrag kann man einen zweiten stellen, man kann gegen eine Ablehnung vor Gericht ziehen - und wer dort scheitert, müsste in die Heimat abgeschoben werden.

Es gibt legale Wege nach Deutschland

Das geht nicht so schnell, manchmal geht es wegen fehlender Dokumente oder Krankheit gar nicht. Auch die Menschen nach Ungarn zurückzuschicken, das nach EU-Recht für ihre Asylverfahren zuständig wäre, ist nicht einfach. Das Land sieht sich selbst überlastet, die Zustände in den Flüchtlingsunterkünften dort sind mitunter so schlecht, dass deutsche Gerichte schon Dutzende Abschiebungen stoppten.

Zudem ändern Schnellverfahren nichts an der Lage in Kosovo. Erst wenn das Land einen Aufschwung nimmt, wird der Exodus enden. Derzeit verstärkt er den Niedergang: Sein Land drohe auszubluten, sagt Regierungschef Isa Mustafa. Die Massenauswanderung lässt sich vorerst nicht stoppen, allenfalls eindämmen, kanalisieren. Es gibt legale Wege nach Deutschland, als Krankenschwester, Altenpfleger oder Akademiker. Sie könnten kontrolliert kommen, ohne das Land zu ruinieren. Doch in Kosovo sind diese Wege unbekannt, oder werden nicht gesehen als Alternative.