Ex-Präsident Gbagbo gibt auf:Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste entschieden

Die Kämpfer des gewählten Präsidenten Alassane Ouattara gewinnen die blutige Schlacht in der Elfenbeinküste - unterstützt von französischen Kampfhubschraubern. Ex-Präsident Laurent Gbagbo sucht Schutz bei den Vereinten Nationen, seine Soldaten strecken nach monatelangem Kampf die Waffen.

Arne Perras

Der monatelange blutige Machtkampf in der Elfenbeinküste ist so gut wie zu Ende, gewonnen hat der gewählte Präsident Alassane Ouattara. Sein Rivale Laurent Gbagbo, der Ex-Präsident des westafrikanischen Landes, steht kurz davor aufzugeben. Nach SZ-Informationen befindet er sich unter dem Schutz der Vereinten Nationen. Gbagbo habe seine prinzipielle Bereitschaft bekundet, sein Amt für Ouattara zu räumen, sagte ein UN-Vertreter. Darüber werde noch verhandelt.

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Kämpfer des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara, kurz vor dem entscheidenden Sturm auf die Stellungen der Truppen von Laurent Gbagbo in Abidjan.

(Foto: AFP)

Gbagbos Generäle haben die UN gebeten, die Soldaten vor weiteren Angriffen abzuschirmen, und angeboten, ihre Waffen zu übergeben. In einem Interview sagte Gbagbo am Abend allerdings erneut, er erkenne Ouattaras Sieg nicht an. Eine entsprechende Forderung Frankreichs und der UN lehne er ab.

Ouattaras Kämpfer waren zuvor bis zur Präsidentenresidenz in Abidjan vorgedrungen. Nach Angaben der Vereinten Nationen und des französischen Premierministers François Fillon verschanzte sich Gbagbo in einem Bunker unter der seiner Residenz, während zwei seiner Generäle über die Bedingungen für seinen Abgang verhandelten.

Die Truppen Ouattaras hatten ihren Vormarsch auf die letzten Stützpunkte des Wahlverlierers Gbagbo in Abidjan fortgesetzt. Gbagbo weigert sich seit vier Monaten, das Amt des Präsidenten niederzulegen, obwohl er die nationale Abstimmung im November verloren hat. Vor einer Woche begannen die Truppen seines Gegners mit einer militärischen Offensive, um Gbagbo mit Gewalt zur Aufgabe zu zwingen.

Am Vormittag tobten heftige Kämpfe um den Präsidentenpalast. Französische Truppen und UN-Einheiten hatten zuvor mit Kampfhubschraubern Angriffe auf die schweren Waffen des Gbagbo-Lagers geflogen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy telefonierte am sechsten Tag der Offensive mehrmals mit Ouattara. Bei den UN und unter Diplomaten herrschte Besorgnis darüber, dass es in der aufgeheizten Lage und ohne staatliche Ordnung zu weiteren Gewalttaten kommen könnte. Seit den Wahlen im November sind mindestens 1500 Menschen gestorben.

Über das Eingreifen der UN-Truppen und französischer Streitkräfte hat sich unterdessen ein Streit entwickelt. Nach Berichten von Agenturen äußerte Russland Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Angriffe. Nach Ansicht des Chefs der UN-Peacekeeping-Abteilung, Alain Le Roy, ist der Beschuss von schwerem Gerät und der Gbagbo-Truppen, auch in der Nähe des Präsidentenpalastes, aber durch das Mandat gedeckt, wenn es dazu diene, "Zivilisten zu schützen". UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte erklärt, die schweren Waffen Gbagbos müssten beschossen werden, um weitere Attacken auf die Bevölkerung zu verhindern.

Hilfsorganisationen warnten, dass sich angesichts der anhaltenden Gewalt die Versorgung der Menschen von Tag zu Tag verschlechtere. Die Einwohner der Millionen-Metropole Abidjan konnten die Häuser seit fast einer Woche kaum verlassen, weil sich Soldaten und Milizen auf den Straßen heftige Gefechte lieferten. In zahlreichen Vierteln der Stadt plünderten Banden die Geschäfte.

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