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Europaparlament:Menschenrechtlerin Malala wird Sacharow-Preis verliehen

Malala Yousafzai und Parlamentspräsident Schulz

Malala Yousafzai und Parlamentspräsident Martin Schulz bei der Verleihung des Sacharow-Preises

(Foto: REUTERS)

Eine "Überlebende, eine Heldin, eine ungewöhnliche junge Frau": Der Menschenrechtsaktivistin Malala ist der Sacharow-Preis für Menschenrechte verliehen worden. Wie schon im Weißen Haus oder bei den Vereinten Nationen fand die 16-Jährige vor dem Europaparlament deutliche Worte.

Die vor einem Jahr bei einem Taliban-Anschlag lebensgefährlich verletzte pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai hat den diesjährigen Sacharow-Preis des Europaparlaments entgegengenommen. Die 16-Jährige sei eine "Überlebende, eine Heldin, eine ungewöhnliche junge Frau", sagte der Präsident des Parlaments, Martin Schulz (SPD), bei der feierlichen Übergabe im Straßburger Plenarsaal.

Mit dem Sacharow-Preis 2014 würdige das Europaparlament Malalas mutigen Einsatz für das Recht aller Kinder auf Bildung, sagte Schulz weiter. Die Jugendliche habe daran erinnert, dass "Bildung und Wissen die besten Waffen gegen Intoleranz, Gewalt und Armut" seien. Etwa 125 Millionen Kinder in der Welt hätten keinen Zugang zu Bildung, drei Viertel davon seien Mädchen. "Das ist eine Schande, eine Schande für uns alle", sagte Schulz.

Die junge Preisträgerin rief das Europaparlament auf, über Europa hinauszuschauen - "auf Länder, wo Menschen leiden und Grundrechte wie die Meinungsfreiheit nicht wahrnehmen können". Millionen von Kindern hätten nichts zu essen und kein Wasser zu trinken. Sie hätten aber auch Hunger auf Bildung. Viele Kinder seien zu arm, um zur Schule zu gehen, andere, vor allem Mädchen, würden daran gehindert. In Pakistan hätten "Terroristen Hunderte von Schulen zerstört". "Millionen von Kindern warten auf unsere Hilfe", mahnte Malala, der die Abgeordneten stehend applaudierten. "Diese Kinder wollen kein IPhone und keine Playstation, sie wollen nur ein Buch und einen Stift."

Taliban erneuerten Todesdrohung

Bekannt wurde Malala mit einem Blog für den britischen Rundfunksender BBC, den sie im Alter von zwölf Jahren zu schreiben begann. Darin beschrieb die Tochter eines Schulleiters ihr Leben unter den radikalislamischen Taliban, die vorübergehend das Swat-Tal an der Grenze zu Afghanistan kontrollierten, bevor die Armee sie wieder vertrieb. Sie schrieb von den Gräueltaten der Gotteskrieger, vor allem gegen Frauen und Kinder.

Am 9. Oktober 2012 stiegen mehrere Taliban-Kämpfer in den Schulbus, in dem Malala saß. Einer schoss ihr gezielt in den Kopf und verletzte sie schwer. Dank einer raschen Notoperation in Pakistan und einer anschließenden Behandlung in Großbritannien kam das Mädchen mit dem Leben davon. Nachdem ihr das Europaparlament im Oktober den Sacharow-Preis zuerkannt hatte, bekräftigten die Taliban ihre Todesdrohung gegen die 16-Jährige. Sie würden erneut versuchen, Malala zu töten, "selbst in den USA oder in Großbritannien", teilte ein Sprecher mit.

Der nach dem verstorbenen russischen Dissidenten und Physiker Andrej Sacharow benannte und mit 50.000 Euro dotierte Preis wird seit 1988 an Persönlichkeiten oder Organisationen verliehen, die sich auf vorbildliche Weise für Menschenrechte und Demokratie einsetzen.

An der Feier nahmen auch 22 frühere Preisträger teil, die das Europaparlament anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Auszeichnung eingeladen hatte. Darunter der chinesische Dissident Wei Jingsheng, der kubanische Bürgerrechtler Guillermo Fariñas, der weißrussische Menschenrechtsaktivist Alexander Milinkewitsch, die Kurdin Leyla sowie Vertreter der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial und von "Reporter ohne Grenzen".

© AFP/sebi

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