Europäische Union:EU-Parlamentspräsident Sassoli gestorben

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Europäische Union: David Sassoli, der Präsident des Europäischen Parlaments, war im Dezember erneut ins Krankenhaus gekommen.

David Sassoli, der Präsident des Europäischen Parlaments, war im Dezember erneut ins Krankenhaus gekommen.

(Foto: Jean-Francois Badias/dpa)

Der 65-Jährige stirbt am frühen Morgen in einem italienischen Krankenhaus. Dort wurde er wegen "einer schweren Komplikation aufgrund einer Funktionsstörung des Immunsystems" behandelt. Seine Amtszeit wäre in wenigen Tagen zu Ende gegangen.

Der Präsident des Europaparlaments, David Sassoli, ist tot. Er sei am frühen Morgen im Alter von 65 Jahren in der Gemeinde Aviano in der nordostitalienischen Region Friaul-Julisch Venetien gestorben, schrieb sein Sprecher Roberto Cuillo auf Twitter.

Am Montag hatte ein Sprecher des Europäischen Parlaments in Brüssel mitgeteilt, dass Sassoli in einem Krankenhaus in seinem Heimatland Italien behandelt werde. Der Aufenthalt sei "wegen einer schweren Komplikation aufgrund einer Funktionsstörung des Immunsystems" erforderlich geworden. Zur Todesursache gibt es noch keine Angaben.

Der Parlamentspräsident befand sich nach den Angaben des Europaparlaments bereits seit dem 26. Dezember in Behandlung. Im Oktober verpasste Sassoli bereits eine Tagung des Parlaments, weil er Fieber hatte. Zuvor wurde er wegen einer Lungenentzündung im Krankenhaus behandelt. Das Krankenhaus Centro di Riferimento Oncologico in Aviano machte auf Nachfrage am Dienstagmorgen keine Angaben. Sprecher Cuillo erklärte auf Twitter weiter, Zeit und Ort der Beerdigung würden in den kommenden Stunden bekannt gegeben.

Sassoli setzte sich für Menschen auf der Flucht ein

Sassoli gehörte dem italienischen sozialdemokratischen Partito Democratico (PD) an. Die Abgeordneten des Europaparlaments hatten ihn 2019 zu ihrem Präsidenten gewählt. Zuvor hatte er seit 2014 den Posten des Vizepräsidenten inne und arbeitete etwa drei Jahre (2014 bis 2017) als Vertreter des damaligen Präsidenten Martin Schulz (SPD).

Sassoli, geboren in Florenz, war der Sohn des toskanischen Intellektuellen Domenico Sassoli, der selbst ein wichtiger Vordenker der Democrazia Cristiana war. Die Familie zog nach Rom, als David noch ein Kind war. Vor seiner politischen Karriere arbeitete Sassoli als Journalist. Der Werdegang des studierten Politikwissenschaftlers startete zunächst bei kleineren Zeitungen. 1985 schaffte er es in die Redaktion der römischen Tageszeitung Il Giorno. Später landete er schließlich im Fernsehen und moderierte sogar die Hauptnachrichtensendung "TG1" des öffentlich-rechtlichen Senders Rai 1.

Als Politiker erhielt er den Spitznamen "Florentinischer Kennedy", er wurde als "Il bello della sinistra" bezeichnet, der Schöne der italienischen Linken. Er galt als Kritiker der Migrationspolitik vieler Mitgliedsstaaten. Immer wieder setzte er sich für die Belange von Menschen auf der Flucht ein. In Italien ist Migration zwischen linken und rechten Parteien ein besonders großes Streitthema, da in dem Mittelmeerland sehr viele Migranten auf ihrer Flucht in Booten ankommen, um in die EU zu gelangen. Er galt zudem als progressiver Katholik. Nach Angaben seiner Partei war er schon als Jugendlicher bei den Pfadfindern und hatte sich in katholischen Jugendgruppen engagiert.

Roberta Metsola soll wohl Sassolis Nachfolgerin werden

Sassolis Amtszeit als Parlamentspräsident wäre in der kommenden Woche zu Ende gegangen. Nach der Europawahl 2019 hatten sich die Sozialdemokraten, die christdemokratische EVP und die Liberalen im Europäischen Parlament darauf geeinigt, dass das Amt des Parlamentspräsidenten zunächst für zweieinhalb Jahre von der sozialdemokratischen S&D-Fraktion ausgeübt und dann von der EVP übernommen werden sollte.

Später hatte die S&D-Fraktion vorübergehend angekündigt, an dem Amt festhalten zu wollen, machte aber im Dezember den Weg frei. Nachfolgerin von Sassoli dürfte die 42 Jahre alte Malteserin Roberta Metsola werden, die derzeit eine der Vizepräsidentinnen ist.

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