Erster Bundespräsident – Späte Liebe

In seinem letzten Lebensjahrzehnt war Heuss noch einmal heftig verliebt. Der Witwer - Ehefrau Elly war 1952 gestorben - pflegte eine Liebschaft mit Antonie Stolper, genannt "Toni". Die Eheleute Heuss hatten die aus Wien stammende Journalistin bereits lange vor dem Krieg in Berlin kennengelernt und mit ihr Freundschaft geschlossen. Stolper musste wegen ihrer jüdischen Herkunft in die USA flüchten. Mitte der fünfziger Jahre begegneten sich Heuss und die ebenfalls verwitwete Toni Stolper im fränkischen Bad Kissingen wieder. In ihren Briefen finden sich erotische Anspielungen, aber auch die Bezeichnung: "Süßer Lamasohn auf dem Bonner Bundesthron".

Heuss hätte Stolper gerne geheiratet, schreibt sein Biograf Joachim Radkau. Für sie nahm Heuss 1955 zehn Kilo ab, um "vom leicht angefetteten Bürger zum grazilen Intellektuellen" zu werden. Doch "Theos" Zigarren und sein Hang zum Wein scheinen sie gestört zu haben.

Als Heuss im Dezember 1963 im Sterben lag, verlangte der Altbundespräsident nach Stolper. Als sie endlich bei ihm war, sei Theodor Heuss friedlich eingeschlafen.

Im Bild: Heuss nimmt 1959 Abschied von der Bundeshauptstadt Bonn und fährt nach Stuttgart, wo er seinen Lebensabend verbringen sollte.

Bild: Getty Images 8. Februar 2017, 11:292017-02-08 11:29:56 © SZ.de/odg