Ermittlungen gegen den NSU Verfassungsschutz gegen Landeskriminalamt

Diese Erklärung verstehen mittlerweile nicht nur Experten für die Verhältnisse in Thüringen. In dem Bundesland arbeiteten viele Jahre der Verfassungsschutz und das Landeskriminalamt eher gegeneinander als miteinander. Auch innerhalb der Ämter gab es Intrigen, Spannungen und Schlampereien. Viele trauten dem Kollegen nur das Schlechteste zu. Aber wo raucht ein Revolver?

Das handwerkliche Versagen nährt die Zweifel, die vielen Gerüchte beflügeln die kritische Phantasie. In dem Fall, der jetzt neu zur Prüfung ansteht, helfen ein paar Dokumente weiter. Ein Jenaer Polizist, der rührig war, hatte am 5. Juni 2003 in einer sechsseitigen Vernehmung über den Hinweis eines Informanten aus der rechten Szene berichtet, der ihm bei einer Geburtstagsfeier auf Böhnhardt und Mundlos hingewiesen hatte. Tags darauf war er mit einem Kollegen zu dem Zeugen gefahren.

Der Anruf von oben, wenn es ihn denn überhaupt gab, ist nicht dokumentiert. Es gibt keine Abschrift einer Zeugenvernehmung, sondern nur den dreiseitigen Ermittlungsvermerk: Der Zeuge schilderte, er habe Böhnhardt an einer Ampelkreuzung in Jena getroffen. Man habe sich dann in der Stadt unterhalten. Böhnhardt sehe noch immer aus wie 1998 vor der Flucht. Böhnhardt habe gesagt, dass er und Zschäpe und Mundlos sich in der Schweiz aufhielten. Von einem Kollegen wisse er aber, dass die drei Gesuchten häufig in Jena seien. Der habe ihm das "schon vor zwei, drei Jahren gesagt".

Also gab es durchaus Ermittlungsansätze, die nicht verfolgt wurden. Andererseits: Der Zeuge gab 2012 bei einer Aussage vor Beamten des Bundeskriminalamts zu Protokoll, er habe Böhnhardt zwar damals gesehen, aber nicht mit ihm gesprochen.

Jakstat fasste vor zehn Jahren die Angaben zu diesem Zeugen in einem Bericht für das Innenministerium so zusammen: "Die Ermittlungen führten jedoch nicht zum Erfolg, da sich die Angaben des Zeugen auf Ereignisse bezogen, welche ein bis drei Jahre zurücklagen und im Übrigen nicht schlüssig waren."