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Hilfe für ehemalige Heimkinder:Unerwartet hohe Inanspruchnahme des Fonds

Vor allem aber: Der Erfolg kostet Geld - viel mehr Geld, als Bund, Länder, Kirchen und Sozialträger bislang in die beiden Hilfsfonds eingezahlt haben. Im Frühjahr meldete bereits der Ost-Fonds Finanznot; nun heißt es in einem internen Schreiben des Bundesfamilienministeriums an die Mitglieder des Lenkungsausschusses: "Durch eine unerwartet hohe Inanspruchnahme des Fonds sind die bisher eingeplanten Mittel Anfang August (...) vollständig gebunden."

2012 standen den Fonds je 120 Millionen Euro zur Verfügung. Das Geld ist weg, verplant, angeblich gibt es im Osten 160 Millionen Euro Mehrbedarf, im Westen 110 Millionen Euro. Kritiker hatten das schon vor drei Jahren vermutet - jetzt ist die Situation da.

Der Bund ist bereit, die Fonds aufzustocken, will aber eine Gegenleistung

Die nächste gute Nachricht: Der Bund und auch die Kirchen haben sich grundsätzlich bereit erklärt, die beiden Fonds aufzustocken. "Damit geben wir ein klares politisches Signal an die Betroffenen, dass die Fondseinrichter zu ihrem Wort stehen", heißt es in dem Ministeriums-Brief. Allerdings möchte der Bund dafür eine Gegenleistung: Die Ausgaben sollen künftig strenger kontrolliert werden.

Vor allem Leistungen außerhalb von Therapie, Qualifizierung und der Vorsorge fürs Alter sollen, so heißt es im Schreiben des Familienministeriums, "einer vertieften Überprüfung unterzogen werden". Bisher konnten dort bis zu 10 000 Euro an Soforthilfen für Bedürftige relativ unbürokratisch bewilligt werden. Ein Handbuch solle künftig für alle Anlauf- und Beratungsstellen regeln, welche Leistung bezahlt werden kann. Stimme der Lenkungsausschuss dem nicht zu, gebe es kein Geld vom Bund; dann "stünde ein Vergabestopp im Raum, den keiner wollen kann".

Dass es mehr Geld gibt, findet Heimkinder-Sprecher Wolfgang Bahr gut, dass kontrolliert wird, wenn Geld fließt, dagegen hat er im Grunde nichts: "Aber so wie geplant, erhöht sich vor allem der bürokratische Aufwand zu Lasten der Betroffenen".

Es erhöht sich vor allem der bürokratische Aufwand

Schon jetzt machten es zahlreiche Regelungen den Betroffenen schwer, an Leistungen zu kommen. Im Osten müssen sie bis 30. September ihre Ansprüche anmelden, im Westen endet die Frist erst am 31. Dezember. Sie können in der Regel nur noch einmal einen Antrag auf Leistungen stellen - haben sie etwas vergessen oder taucht ein neuer Bedarf auf, zum Beispiel, weil sie krank werden, wird es schwierig.

Und wer die 10 000 Euro nicht nutzt, weil er sparsam ist, hat Pech gehabt. Bahr berichtet von einem Betroffenen, der misshandelt wurde und heute auf eine behindertengerechte Wohnung angewiesen ist. "Der Kostenvoranschlag betrug 3500 Euro, der Umbau kostete nur 3000 - die 500 Euro waren weg." Das müsse man ändern - "und nicht noch Menschen, die es schwer im Leben hatten, ein paar Schwierigkeiten oben drauf packen."