Einsätze von Drohnen Lebensretter und Spione

Ähnlich bedeutend wie die Erfindung des Düsenantriebs: Wenn es nach den Herstellern geht, sollen Drohnen bald auch in unserem Alltag im Einsatz sein. Doch dem könnte der schlechte Ruf der Drohne als Waffe im Weg stehen. Eine unverstandene Industrie sucht neue Strategien der Vermarktung.

Von Nicolas Richter, Washington

Zur Einstimmung zeigen sie den Film "Chorebot". Darin geht ein Hausroboter jeden Morgen mit dem Hund nach draußen, um Ball zu spielen. Als das Herrchen verschwindet und der Haushalt aufgelöst wird, will jemand den Hund abholen. Der Hund aber sträubt sich und winselt so lange, bis man ihn bei seinem Freund, dem Roboter, bleiben lässt, der ihm Tag für Tag so treu den blauen Ball zugeworfen hat.

Roboter können geliebt werden, soll das heißen, und die Roboter-Industrie möchte geliebt werden, sehr sogar. Vor allem die Hersteller unbemannter Fluggeräte. In der Umgangssprache heißen diese Flugzeuge Drohnen; sie sind in Verruf geraten, weil vor allem die US-Regierung sie benutzt, um Terrorverdächtige zu töten. Doch nun, da die Industrie ihre Produkte nicht mehr nur für den militärischen, sondern mit Macht auch für den Alltag vermarkten möchte, blickt sie sehr nervös darauf, wie Politiker, Behörden und Öffentlichkeit diese technische Revolution aufnehmen - die wohl größte in der Luftfahrt seit Erfindung des Düsenantriebs.

In dieser Woche hat der Fachverband Auvsi (Association for Unmanned Vehicle Systems International) seine Messe in der US-Hauptstadt Washington abgehalten. Zuweilen fühlte man sich dort wie in einer Wagenburg der Unverstandenen. 500 Hersteller aus aller Welt priesen Hochleistungs-Flugzeuge, Kameras, Sensoren, Turbinen, Antennen, Kunststoffe, aber so fasziniert sie sich von ihrer Ware zeigten, so irritiert waren sie auch darüber, dass viele Leute da draußen noch nicht überzeugt seien. Besonders auf dem US-Markt sind die Hersteller jetzt der Politik ausgeliefert, denn anders etwa als in Deutschland und Frankreich sind kommerziell genutzte Drohnen bislang weitgehend verboten. Die Luftfahrtbehörde FAA arbeitet zwar Regeln aus, aber die könnten strenger ausfallen, als es der Industrie lieb wäre, und einzelne US-Staaten und Landkreise erwägen sogar, Drohnen ganz zu verbieten.

Landwirtschaft könnte größter Kunde werden

Dabei könnten die neuen Fluggeräte durchaus nützlich sein, und vielerorts sind sie es längst. In Japan etwa besprühen sie die Felder schon seit Jahren mit Unkrautvernichtungsmitteln, wobei sie mit weniger Gift auskommen als Kleinflugzeuge, die höher fliegen müssen. Viele Firmen preisen Geräte für Überwachung und Inspektionen an. Sie filmen Strommasten, Raffinerien, Bohrinseln, Mobilfunkmasten, sie suchen Brücken nach Rost ab, beobachten Tierherden, Eisberge, Verkehrsstaus. Oft ist dies billiger und sicherer, als Menschen auf Hebebühnen zu stellen, in Hubschrauber zu setzen oder in Gondeln an Hochspannungsleitungen zu hängen.

Während die militärischen Langstrecken-Drohnen noch aussehen wie kleine Flugzeuge, ähneln die meisten Zivildrohnen kleinen Hubschraubern mit vier Rotoren, mit der Spannweite einer Gießkanne, wenige Kilo schwer und - noch - Zehntausende Dollar teuer. Der französische Hersteller Workfly hat die Rotoren übereinander gelegt und das Ganze in einen Drahtkorb gefasst, der aussieht wie ein Lampenschirm. Berührt die Drohne beim Absuchen einer Fassade oder einer Brücke die Wand, gehen die Rotoren nicht kaputt. Für Notfälle ist noch ein Fallschirm eingebaut. Workfly richtet sich damit auf Einsätze in Großstädten ein, wo die Nähe der Maschine zu Menschen und windigen Häuserschluchten gefährlich werden kann.

Die Industrie rechnet damit, dass die Landwirtschaft der größte Kunde sein wird, gefolgt von Sicherheits- und anderen Behörden. An den Messeständen schildern die Verkäufer routiniert all jene Notlagen, in denen Drohnen Leben retten sollen; mit Infrarot-Kameras ausgestattet könnten sie der Feuerwehr helfen, sich in Rauchschwaden zu orientieren, sie könnten auch bei Nebel Lawinenopfer finden. So richtig das sein mag, so sehr werden die Geräte dem staatlichen Sicherheitsapparat freilich auch dort helfen, wo er nicht so demokratisch ist, wo er Regimegegnern nachstellt oder Demonstranten einschüchtert.