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Einsätze in Afrika:Informationen über zivile Opfer bleiben geheim

Bei den Afrika-Einsätzen lenkt der Pilot die Drohne über eine Satcom-Anlage, die in Ramstein steht. Als vor zwei Jahren vom US-Kongress eine neue Empfangsstation für Drohnen in Ramstein (Projektnummer TYFR 073143) beschlossen wurde, fand sich dazu im "Militär-Bauprogramm" der Air Force die Erläuterung: Ohne diese neue Anlage könnten "Drohnen-Waffenangriffe nicht unterstützt werden".

Die Anlage in Ramstein empfängt beim Angriff über einen Rückkanal weitere Videos und GPS-Daten aus Afrika, die dann über ein sicheres Glasfaserkabel zwischen Deutschland und den USA zu dem Drohnenpiloten und seinem "Sensor Operator" weitergeleitet werden. Danach werten in Ramstein Spezialisten im sogenannten "Battle Damage Assesment" (Schritt 8) die nach dem Angriff zurückgefunkten Daten sorgfältig aus. Geprüft wird auch, ob Zivilisten umgekommen sind, aber dieser Umstand bleibt dann geheim.

Obama hat Mäßigung im Drohnenkrieg versprochen

Barack Obama, der US-Präsident und Friedensnobelpreisträger, hat die Drohnen früh zum Zentrum seiner Strategie gegen den Terrorismus gemacht. Er kann sich dabei immer noch auf eine Resolution namens "Authorization for Use of Military Force" (AUMF) stützen, die nach dem 11. September 2001 erlasssen wurde und ein Freibrief für den Präsidenten ist, Terroristen weltweit mit militärischen Mitteln zu verfolgen. Allein in Pakistan sind nach Feststellungen der "New American Foundation" zwischen 2000 bis zu 3300 Menschen im Drohnenfeuer gestorben. Der Anteil völlig unschuldiger Opfer liegt, geschätzt, bei knapp zwanzig Prozent.

Obama hat in der vergangenen Woche Mäßigung im Drohnenkrieg versprochen. Vor allem in Pakistan, Jemen und auch in Somalia will er solche Angriffe einschränken. Nur wenn eine Gefangennahme nicht möglich sei, dürften die Verdächtigen getötet werden und auch nur dann, wenn eine unmittelbare Gefahr für Amerikaner bestehe, sagte der Präsident.

Er möchte, wenn überhaupt, nur noch "al-Qaida und damit verbundene Kräfte" mit Drohnen angreifen. Doch wer legt fest, zu welcher Gruppierung ein angeblicher Islamist gehört, der "neutralisiert" werden soll, wie es im Jargon der Drohnenpiloten heißt? Diese Art der Terrorbekämpfung mag für die USA klinisch sauber wirken, sie wird immer wieder neue Fragen aufwerfen.