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Dschalalabad:US-Flugzeug in Afghanistan abgestürzt

  • Ein US-Flugzeug ist in der Nacht auf Freitag über der afghanischen Stadt Dschalalabad abgestürzt.
  • Die Taliban erklären, sie hätten die Maschine abgeschossen, das US-Militär hingegen spricht von einem Unfall.
  • Der Gouverneur von Kundus kritisiert den deutschen Abzug als "verfrüht".
  • Amnesty International meldet "schwerste Verbrechen" der Taliban bei der Eroberung von Kundus.

Elf Tote beim Absturz eines US-Militärflugzeugs

Beim Absturz einer Militär-Transportmaschine sind im Osten Afghanistans mindestens elf Menschen ums Leben gekommen. Unter den Toten seien sechs US-Militärangehörige, teilte ein Vertreter des Verteidigungsministeriums in Washington mit. Demnach stürzte die Maschine vom Typ Lockheed C-130J Hercules gegen Mitternacht (Ortszeit) am Flughafen Dschalalabad ab.

Ein Sprecher am US-Hauptquartier Bagram Airfield sagte, an Bord des Flugzeugs seien fünf zivile Passagiere gewesen, die zu Tode gekommen seien. Bei den toten sechs US-Militärangehörigen habe es sich um die Besatzung der Maschine gehandelt. Es liefen Ermittlungen zur Absturzursache, hieß es.

Die radikalislamischen Taliban erklärten, ihre Kämpfer hätten die Maschine abgeschossen. Das US-Militär hingegen bezeichnete den Absturz als Unfall. Die Unglücksursache werde noch untersucht, es gebe jedoch keine Berichte über feindlichen Beschuss im fraglichen Zeitraum.

Taliban auf Rückzug

Nach der Rückeroberung des Zentrums von Kundus durch die afghanische Armee haben sich nach Angaben von Einwohnern die meisten Kämpfer der radikalislamischen Taliban aus der nordafghanischen Provinzhauptstadt zurückgezogen. Es gebe aber noch Häuserkämpfe, berichteten Einwohner.

Der amtierende Gouverneur der Provinz Kundus, Hamdulla Danischi, sagte, Taliban-Kämpfer hätten sich in Häusern verschanzt und missbrauchten Zivilisten als menschliche Schutzschilde. Insgesamt sei die Lage aber weitgehend ruhig. Größere Kämpfe seien ihm nicht bekannt.

Gouverneur: Die Deutschen haben uns alleingelassen

Danischi kritisierte zudem den Abzug der deutschen Bundeswehr aus Kundus vor zwei Jahren als verfrüht. "Wir haben den Deutschen mehrfach gesagt, dass wir sehr besorgt über ihren Abzug sind", sagte Hamdullah Daneschi: "Wir wussten, dass wir die Lage nicht alleine würden kontrollieren können. Aber sie haben uns alleingelassen." Er wünsche sich, "dass die Deutschen zurückkommen".

Auch gegen die Zentralregierung von Präsident Aschraf Ghani in Kabul erhob Daneschi Vorwürfe. "Warum hat die Regierung nicht aufgepasst, als wir unsere Sorgen ausgedrückt haben?" Daneschi hatte bereits im April davor gewarnt, die gesamte Provinz Kundus könne von den Taliban erobert werden. Während der Gefechte hatte Ghani den bisherigen Gouverneur von Kundus seines Amts enthoben und Daneschi, bis dahin dessen Stellvertreter, als Gouverneur ernannt.

Amnesty spricht von "schwersten Verbrechen" der Taliban

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International meldet, die Taliban hätten bei der Eroberung von Kundus Massenmorde und Gruppenvergewaltigungen begangen. Das hätten aus Kundus geflüchtete Augenzeugen berichtet. Häuser seien niedergebrannt und geplündert worden. Eine Frau habe von einer "Todesliste" der Taliban erzählt, auf der Aktivisten, Journalisten und Beamte aus Kundus mit Namen und Fotos aufgeführt seien.

Afghanische und ausländische Truppen hatten am Donnerstag die Taliban aus dem Zentrum der Provinzhauptstadt vertrieben, die diese am Montag erobert hatten. "Wir haben die Stadt Kundus zurückerobert", sagte Gouverneur Daneschi: "In manchen Gegenden in der Stadt wird noch sporadisch geschossen, weil sich einige Taliban in Wohnhäusern versteckt haben". Die Aufständischen bestätigten den Rückzug und kündigten gleichzeitig einen erneuten Angriff an.

Soldaten der Bundeswehr flogen am Donnerstag erneut nach Kundus, um die afghanischen Truppen bei ihrer Offensive zu beraten. In der umkämpften Stadt informierten sie sich über die Lage und stimmten sich mit den afghanischen Sicherheitskräften ab, anschließend flogen sie zurück ins 150 Kilometer entfernte Masar-i-Scharif, wo die Bundeswehr nach dem Abzug aus Kundus zur Ausbildung und Beratung der afghanischen Armee stationiert ist. Bereits am Dienstag war ein kleines Team von Soldaten nach Kundus geflogen.

© SZ.de/dpa/afp/reuters/rue
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