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Drohnen im Krieg:Tödliche Antwort auf Selbstmordattentäter

Drohne, US Air Force

Eine Drohne von Typ MQ-1 Predator der US Air Force.

(Foto: dpa)

Manche von ihnen sind so klein, dass man sie unter den Arm nehmen kann, manche sechs Tonnen schwer: Ferngelenkte Roboter bewahren Soldaten vor direktem Kontakt mit dem Feind. US-Militär und CIA verwenden Drohnen dazu, Terrorverdächtige aufzuspüren - und sie in manchen Fällen gezielt zu töten.

Von Paul-Anton Krüger

Mit dumpfem Dieselbrummen wühlt sich der M160 durch den tiefen Boden auf dem Armee-Stützpunkt Fort Leonard Wood im US-Bundesstaat Missouri. Das fast sechs Tonnen schwere Gefährt sieht mit seinen Antriebsketten und dem Tarnanstrich aus wie ein kleiner Panzer, drei Meter lang, eineinhalb Meter breit und fast ebenso hoch.

Doch trägt der M160 kein Geschütz, sondern an seiner Schnauze ein Ungetüm aus einer quer zur Fahrtrichtung rotierenden Welle, zwei Meter breit, an der 34 Stahlketten befestigt sind mit je einem Hammerkopf am Ende. Sie pflügen das Erdreich bis in 30 Zentimeter Tiefe um, genug um jede Antipersonenmine zur Explosion zu bringen, ebenso Sprengfallen oder Blindgänger.

Der Soldat, der den M160 lenkt, steht in sicherer Entfernung, eine Fernbedienung in der Hand, ähnlich wie man sie von Modellflugzeugen kennt. Zwei Kilometer weit reichen die Signale; Videokameras zeigen auf einem Farbdisplay der Steuerkonsole, wohin sich der Roboter bewegt.

Kampfdrohnen werden per Satellit gesteuert

Fort Leonard Wood ist die Heimat einer Außenstelle des Robotic Systems Joint Project Office, auch Roboter-Universität genannt. Hier werden nicht nur Soldaten für den Einsatz in Afghanistan ausgebildet, hier tüftelt die US Army an unbemannten Systemen. Manche davon, wie der Talon, sind so klein, dass man sie unter den Arm klemmen kann. Sie können Sprengfallen am Straßenrand unschädlich machen, wie sie die Aufständischen in Irak und Afghanistan zu Tausenden legen.

Es gibt aber auch bewaffnete Versionen, bestückt mit Maschinengewehren, Granat- oder Raketenwerfern, dazu hochauflösenden Video- und Wärmebildkameras zur Zielerfassung. Es sind quasi Verwandte der berüchtigten Kampfdrohnen, auch wenn sie nicht aus Tausenden Kilometern Entfernung per Satelliten-Verbindung gesteuert werden, sondern von Soldaten, die sich hinter der nächsten Hausecke verschanzt halten.

Mini-Drohnen sind so klein wie Kolibris

Mittlerweile verfügen in den USA alle Teilstreitkräfte über unbemannte Systeme. Die Marine operiert mit ferngesteuerten U-Booten, die Minen entschärfen oder riskante Aufklärungsmissionen in flachen Gewässern übernehmen. Ferngelenkte Hubschrauber starten von Schiffen aus, bestückt mit elektronischen Sensoren und auch Waffen.

Die Army entwickelt Kampffahrzeuge, die halbautonom in einem Einsatzgebiet manövrieren und tonnenweise schweres Schießgerät mit sich führen. Mini-Drohnen von der Größe eines Kolibris erlauben Soldaten einen Blick in Hinterhöfe oder über den nächsten Hügel, bevor sie vorrücken.

Und die Luftwaffe fliegt inzwischen ein ganzes Geschwader von Drohnen, vom Tarnkappen-Himmelsspion RQ-170 Sentinel, der durch eine Bruchlandung tief im Staatsgebiet Irans Schlagzeilen machte, bis hin zu den Kampfdrohnen Reaper und Predator, die meist zur Unterstützung eigener Truppen im Kampfgebiet eingesetzt werden. Allerdings verwendet sie inzwischen auch der Auslandsgeheimdienst CIA in großer Zahl, überwiegend dazu, Terrorverdächtige etwa in Pakistan und Afghanistan aufzuspüren - und sie in manchen Fällen gezielt zu töten.

Ganz neu ist die Idee nicht, unbemannte Plattformen für militärische Zwecke zu verwenden. Schon in den Achtzigerjahren dachten auch deutsche Rüstungsfirmen darüber nach, wie sich etwa Modellflugzeuge als Späher aus der Luft nutzen ließen. Das Ziel war in erster Linie, Soldaten nicht unnötig Gefahren auszusetzen und den eigenen Truppen einen Informationsvorsprung bei der Lageeinschätzung auf dem Gefechtsfeld zu verschaffen. Wie einst Flugzeuge beim Militär zunächst fast ausschließlich zur Aufklärung dienten, war das auch bei den Robotern der Fall.

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