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Dominikanische Republik:Karibisches Boom-Land vor Machtwechsel

16 Jahre lang regierte die Befreiungspartei den Inselstaat. Nun liegt nach der Präsidentenwahl der Unternehmer und Politiker Luis Abinader von der Modernen Revolutionären Partei in Führung.

Von Christoph Gurk, Buenos Aires

Mitten in der Corona-Pandemie hat die Dominikanische Republik einen neuen Präsidenten gewählt. Die etwa 7,5 Millionen Wahlberechtigten haben dabei für einen Machtwechsel gestimmt: Nachdem am Montag die Stimmen in 80 Prozent der Wahllokale ausgezählt waren, entfielen der Wahlbehörde zufolge 52 Prozent auf Luis Abinader. Die Kandidaten der wichtigsten übrigen Parteien haben seinen Sieg bereits anerkannt. Abinader und seine Moderne Revolutionäre Partei PRM beenden so die 16 Jahre dauernde Regierung der Dominikanischen Befreiungspartei PLD.

Unter ihr hatte sich der Karibikstaat zu einem Boom-Land entwickelt. Die Wirtschaft wuchs so schnell wie sonst nirgendwo in der Region, Hauptmotor war dabei der Tourismus. Allerdings gab es auch immer wieder Skandale um Korruption und Vetternwirtschaft, die Ungleichheit in der Bevölkerung ist hoch, und mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen hat keinen festen Arbeitsvertrag. All dies hatte in den vergangenen Jahren zu Unzufriedenheit geführt, Anfang März wurden dann auch noch die ersten Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus registriert. Seitdem hat der Erreger das Land so hart getroffen, wie kaum ein anderes in der Karibik: Fast 40 000 Menschen haben sich schon angesteckt, ungefähr 800 sind gestorben.

Die eigentlich für Mitte Mai geplanten Präsidentschaftswahlen wurden wegen der Pandemie auf Anfang Juli verschoben. Der Wahlkampf konnte nur eingeschränkt stattfinden und fokussierte sich vor allem auf soziale Netzwerke. Kurzzeitig musste Herausforderer Luis Abinader sogar pausieren, weil er selbst Covid-19 positiv getestet wurde. Für die Wahlen am Sonntag galten strenge Auflagen, Bürger wurden aufgerufen, auch in Wahllokalen Sicherheitsabstand zu wahren. Die Stimmabgabe verlief offiziellen Angaben nach dennoch weitestgehend ruhig. Im Zuge einer Auseinandersetzung vor einem Wahllokal wurde jedoch ein Mann erschossen, der Mitglied von Luis Abinaders Partei PRM gewesen sein soll.

Für Abinader ist es das erste öffentliche Amt, ein Neuling in der Politik ist der Unternehmer dennoch nicht. Der 52-Jährige entstammt einer einflussreichen Politiker- und Unternehmerfamilie. Abinader hat Wirtschaft studiert und ist in seiner Heimat bisher vor allem in der Tourismus- und Baubranche aktiv gewesen. Bereits 2016 war er bei Präsidentschaftswahlen angetreten, damals allerdings ohne Erfolg.

Abinader gehört dem Mitte-links-Lager an. Er hat im Wahlkampf versprochen, Arbeitsplätze zu schaffen und für mehr Transparenz zu sorgen. Dazu muss er nun die Wirtschaft wieder ankurbeln: Der Wegfall von Touristen hat den Karibikstaat schwer getroffen. Die amtierende Regierung hat am 1. Juli zwar bereits wieder Flughäfen, Hotels und Restaurants öffnen lassen. Die Infektionszahlen allerdings steigen weiter stark an.

© SZ vom 07.07.2020

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