Diskussion um Homo-Ehe Willkommen im Leben, CDU

Es ist eine Sensation: Die CDU öffnet sich tatsächlich für die Gleichstellung der Homo-Ehe. Kanzlerin Merkel dürfte das gefallen, passt der Schritt doch perfekt ins Wahlkampfkonzept. Über die bestmögliche Lösung spricht trotzdem bisher noch niemand.

Ein Kommentar von Robert Roßmann

Es sollte eine Feier im kleinen Kreis werden, doch ihr Kuss ging um die Welt. Um 8:20 Uhr gaben sich Reinhard Lüschow und Heinz-Friedrich Harre das Jawort. Als die beiden das Trauzimmer verließen, stürmten ihnen Heerscharen von Fotografen entgegen. An diesem 1. August 2001 wurde in Hannover die erste "Homo-Ehe" geschlossen. Eine Sensation. Inzwischen sind elf Jahre vergangen. Zehntausende Homosexuelle haben ihre Lebenspartnerschaft eintragen lassen. Doch mit der Ehe gleichgestellt sind die Partnerschaften noch immer nicht.

Kristina Schröder und 13 CDU-Abgeordnete haben nun einen Anlauf unternommen, diesen Missstand zu beenden. Dass das wiederum als Sensation wahrgenommen wird, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Union. Zu lange haben CDU und CSU Ressentiments geschürt, statt sich der Wirklichkeit zu stellen. Selbst in der Union gibt es mittlerweile Dutzende homosexuelle Bundesminister, Bürgermeister, Bundestagsabgeordnete und Beigeordnete. Normalerweise tragen Konservative das Prinzip "gleiche Pflichten - gleiche Rechte" wie eine Monstranz vor sich her. Doch beim Umgang mit Lebenspartnerschaften verstoßen sie dagegen.

Ob die Initiative der "14 Wilden" Erfolg haben wird, ist noch unklar. Dass die Chancen dafür erstaunlich gut stehen, liegt nicht nur an einem vorsichtigen Sinneswandel in der CDU, sondern auch an der Angst der Partei vor der nächsten Niederlage in Karlsruhe. Das Bundesverfassungsgericht will in den nächsten zwölf Monaten entscheiden, ob die steuerliche Ungleichbehandlung von Ehen und Lebenspartnerschaften gegen das Grundgesetz verstößt. Spätestens seit dem Urteil zum Familienzuschlag vor einer Woche erwarten die Fachleute, dass die Richter die Gleichstellung verlangen werden. Wenn die Regierung eine weitere peinliche Niederlage vermeiden will, muss sie das Ehegattensplitting jetzt selbst auf die Lebenspartnerschaften ausweiten. Verhindern wird sie die Gleichstellung sowieso nicht können.

Eine Abkehr von der anachronistischen Haltung zu Lebenspartnerschaften dürfte aber auch Angela Merkel gefallen. Viele Christsoziale mögen den Anblick knutschender Männer noch immer abschreckend finden; der protestantischen Akademikerin aus dem Osten sind derlei Gefühle fremd. Außerdem passt Merkel das Thema hervorragend ins Wahlkampfkonzept. Die Kanzlerin umarmt ihre Gegner gerne so innig, bis denen die Luft ausgeht. Und so wäre es kein Wunder, wenn Merkel bald auch noch die Vorkämpferin für die Rechte der Homosexuellen geben würde.

Über die beste Lösung redet in der Union bisher leider kaum jemand: die Umwandlung des Ehegatten- in ein Familiensplitting. Mehr als 15 Milliarden Euro kostet das Ehegattensplitting den Staat jährlich. Neben Familien fördert er damit auch Millionen kinderloser Ehepaare. Statt diese Wohltat jetzt auch auf homosexuelle Paare auszuweiten, sollte die Regierung sie lieber allen nehmen. Auch das wäre eine Gleichstellung.