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Diplomatie:Merkels Besuch bei Trump wegen Schneesturms verschoben

Auch wenn die Kanzlerin jetzt wohl erst am Donnerstagabend nach Washington reisen wird: Zweifel, dass mehr als das Wetter hinter der Verschiebung steckt, lässt sie gar nicht erst aufkommen.

Es ist 18.44 Uhr, als Angela Merkel bei den Journalisten im Heck des Regierungs-Airbus erscheint. "Dass ich zu Ihnen komme, ist kein gutes Zeichen", sagt die Kanzlerin lächelnd. Dann teilt sie mit, dass ihr Antrittsbesuch bei Donald Trump in Washington zu Ende ist, bevor er begonnen hat. Der Grund: An der Ostküste der USA zieht ein Schneesturm entlang, der die Landung der Kanzlerin in der amerikanischen Hauptstadt zu verhindern drohte.

Merkel war bereits im Auto auf dem Weg zum Flughafen, als Trump sie von sich aus anrief. Zunächst wurde noch hin und her überlegt, ob man auf eine sichere, nicht abhörbare Leitung wechseln solle. Doch schließlich verständigten sich Weißes Haus und Kanzleramt, dass der Präsident und die deutsche Regierungschefin über die normale Verbindung sprechen. Zumindest die Gefahr, dass die NSA bei einem Anruf aus dem Weißen Haus mithört, scheint ja überschaubar zu sein. Und letztlich ging es nur um einen Termin. Besser gesagt: um dessen Absage.

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Merkels Treffen mit Trump wird die politische Begegnung der Saison

Eigentlich möchte die Bundeskanzlerin mit dem US-Präsidenten zusammenarbeiten - allerdings stellt sie dafür Bedingungen. Das dürfte Donald Trump gar nicht gefallen.

Die Kanzlerin scherzt: Sie wolle nicht ankommen und niemanden antreffen

Trump, so schildert es Merkel den Journalisten, habe ihr gesagt, dass er noch schönes Wetter sehe, wenn er aus dem Fenster des Oval Office schaue. In New York aber, ein paar hundert Meilen weiter nördlich, sei der Flughafen bereits geschlossen. Er würde ihr deshalb raten, nicht zu fliegen. Neun Stunden und 15 Minuten waren als Flugzeit berechnet worden. Dass es eine ungemütliche Landung bei Wind und Schneefall geben könnte, darauf war auch die Besatzung der Regierungsmaschine schon vorbereitet. Dann geschah, wovon Merkel und Trump politisch noch weit entfernt zu sein scheinen. Die Kanzlerin verließ sich auf den Rat des amerikanischen Präsidenten und ließ den Flug stornieren.

Es sei ein freundliches Gespräch gewesen, sagt sie noch. Vielleicht auch, um den letzten Zweifel zu beseitigen, dass es sich doch um politische Gründe gehandelt haben könnte - eine Art Travel Ban speziell für die Kanzlerin. Sie habe einfach nicht riskieren wollen, "dass ich ins Weiße Haus komme - und dann ist da niemand", scherzt die Kanzlerin. Das Telefonat habe ein paar Minuten gedauert. Man habe sich verständigt, die Information eine Viertelstunde später zu veröffentlichen, damit Merkel zunächst die mitreisenden Journalisten unterrichten konnte: "Sie sollten das ja nicht aus den Medien erfahren", sagt die Kanzlerin.

Die Regierungsmaschine war übrigens bei Weitem nicht das einzige Flugzeug, das an diesem Tag nicht planmäßig in Berlin abhob. Wegen eines Streiks des Bodenpersonals ruhte am Montag schon den ganzen Tag der Betrieb auf den beiden Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld. Regierungsflugzeuge sind davon freilich nicht betroffen, weil deren Abfertigung von der Flugbereitschaft der Bundeswehr und in einem gesonderten Terminal gegenüber dem Hauptgebäude vorgenommen wird.

Der gute Vorsatz der geplanten Reise: Miteinander reden statt übereinander

Mit der Absage endet eine Dienstreise Merkels vorzeitig, die viel Beachtung erfahren sollte. Wenn es sich bei den Erwartungen an das erste Treffen Angela Merkels mit Donald Trump um einen Luftballon handeln würde, hätte er am Montag, wenige Stunden vor der Absage, mit einem langen Pfrfrfrfr und erheblicher Schubkraft den Reichstag in Berlin umkreisen können. Die Helfer der Kanzlerin bemühten sich jedenfalls schon da, ordentlich Luft rauszulassen aus manchen Analysen über Merkels Antrittsbesuch beim US-Präsidenten. Die Kanzlerin freue sich einfach auf die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Trump, berichtete Regierungssprecher Steffen Seibert. Es handele sich um einen "ganz normalen" Meinungsaustausch.

In der Regierungspressekonferenz tauchte aber auch erstmals das schlechte Wetter als Thema auf, da allerdings nicht im Zusammenhang mit einer möglichen Absage der Reise. Vielmehr wollte Seibert die Blizzard-Warnung für die amerikanische Ostküste nicht mit der anstehenden Begegnung im Weißen Haus in Verbindung bringen. Er sei immer dagegen gewesen, "dass man Wetterverhältnisse für politische Metaphern missbraucht", so der frühere Fernsehjournalist.

Die Kanzlerin selbst, die am Montag vor ihrer geplanten Abreise noch einen gut gefüllten Arbeitstag zu absolvieren hatte, präsentierte sogar eine Art guten Vorsatz, als sie am Mittag mit den Spitzen der deutschen Wirtschaft in München vor die Presse trat. "Miteinander reden statt übereinander reden - das wird mein Motto sein bei diesem Besuch, auf den ich mich ausdrücklich freue." Anschließend flog sie nach Berlin zurück, wo sie sich in ihrer Funktion als CDU-Vorsitzende noch mit den Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz zusammensetzte. Natürlich liegt es nun nahe, die Metapher vom göttlichen Beistand zu bemühen, der Merkel für die Reise gefehlt haben könnte - ist doch die Bischofskonferenz katholisch und Angela Merkel eben Protestantin.

Weißes Haus und Kanzleramt suchen umgehend einen neuen Termin

Miteinander reden, statt übereinander. Immerhin gelang das dann am frühen Abend mit einem Telefonat. Es war genau genommen das dritte. Das erste Mal hatte Merkel mit Trump gesprochen, als er die Wahl gewonnen hatte. Das zweite mal Ende Januar, als sie sich mit dem neuen Präsidenten erstmals eine gute Dreiviertelstunde lang über politische Themen austauschte. Nun, beim dritten Mal, sprachen die beiden schon wie alte Bekannte über das Wetter - was nicht misszuverstehen ist als ein Zeichen dafür, dass sie sich sonst nichts mehr zu sagen hätten.

Fest steht: Die Reisetätigkeit der Kanzlerin steht derzeit unter keinem guten Stern. Erst vor wenigen Wochen musste Merkel bereits einen Flug nach Algerien absagen, nachdem Präsident Bouteflika erkrankt war. Auch damals waren Delegation und Journalisten bereits am Flughafen Tegel oder auf dem Weg dorthin. Eine Reise nach Ägypten und Tunesien fand einige Tage später zwar statt, allerdings musste vor dem Start in Berlin das Flugzeug repariert werden, was zu Verzögerungen führte.

Für einen neuen Anlauf suchten Weißes Haus und Kanzleramt umgehend einen Termin. Trump blätterte schon während des Telefonats mit Merkel in seinem Kalender, um die Verabredung zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Bundeskanzlerin doch noch möglichst schnell zu bewerkstelligen. Aber nach dem Wetter muss man ja auch schauen.

© SZ vom 14.03.2017/ees
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