Die Untaten der Lord's Resistance Army Hände und Köpfe abgehackt

Kony, so erzählen seine ehemaligen Kämpfer, betrachtet solche Grausamkeiten als "Reinigung", die seine spirituellen Kräfte erneuert. Es gibt auch übereinstimmende Berichte darüber, dass der Rebellenchef jedes Jahr eine Jungfrau persönlich umbringt, damit ihm seine vermeintlich göttlichen Fähigkeiten nicht abhanden kommen. Und ebenso ist zu hören, dass auch Soldaten der ugandischen Armee Angst vor Konys übersinnlichen Kräften haben, und es deshalb so schwer sei, ihn zu fassen.

So einfach aber ist die Erklärung nicht, warum die Lord's Resistance Army anscheinend nicht zu schlagen ist, besteht diese Rebellentruppe doch Schätzungen zufolge nur noch aus 1200 Kämpfern.

Kony hatte lange Zeit mächtige Unterstützer. Seine Miliz führte für den Nordsudan auch immer einen Stellvertreterkrieg im Südsudan und wurde deshalb von den Machthabern in Khartum mit Waffen versorgt. Ugandas Regierung hingegen untersützte die aufständischen Südsudanesen.

Außerdem unternahm Präsident Yoweri Museveni lange Zeit nur wenig gegen Konys Terror im Norden des Landes, weil dort die ugandische Opposition beheimatet ist. Erst als es im Sudan zum Friedensschluss kam, verlor Kony seine dortige Basis. Zunächst zog er sich nach Norduganda zurück und verübte erneut verheerende Massaker.

Und als Musevenis Armee deshalb eine Offensive gegen die LRA startete, flohen Kony und seine Leute in den Nordosten des Kongo. Eine gemeinsame Militäraktion von Uganda und Kongo Mitte Dezember konnte das kongolesische Hauptquartier Konys zwar zerstören, aber die Führung der LRA ist nach wie vor intakt. Und sie rächte sich für diesen Angriff wie gewohnt mit Massakern an kongolesischen Zivilisten.

Wo sich die sektenartige Miliz nun aufhält, ist wieder einmal unklar. Zum einen ist das Dreiländereck Kongo, Sudan und Zentralafrikanische Republik eine der wohl unzugänglichsten Regionen der Welt, so dass auch Hilfsorganisationen flüchtende Zivilisten nicht mehr erreichen.

Zum anderen gibt es keinen Milizenführer, der sich so gut darauf versteht, irgendwo im Busch oder im Regenwald zu überleben. Und sollten Kony die Kämpfer ausgehen, überfällt er eben wieder Dörfer, tötet Erwachsene und entführt Kinder.