Neue CDU-Führung gewählt:Die Merkelianer

Die CDU baut auf ihrem Parteitag in Karlsruhe den engsten Machtzirkel um Kanzlerin Angela Merkel um. Mit Norbert Röttgen und Ursula von der Leyen steigen zwei potentielle Kanzlerkandidaten der nächsten Generation auf. Die neue Parteispitze in Porträts und Bildern.

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Die CDU baut auf ihrem Parteitag den engsten Machtzirkel um Kanzlerin Merkel um. Mit Norbert Röttgen und Ursula von der Leyen steigen zwei potentielle Kanzlerkandidaten der nächsten Generation auf. Die neue Parteispitze in Porträts und Bildern.

Angela Merkel

Ihre ewigen Rivalen Roland Koch, Jürgen Rüttgers und Christian Wulff ist sie los. Nun baut sich die Kanzlerin und Parteivorsitzende ihre CDU, wie sie ihr gefällt. Auf dem Parteitag in Karlsruhe sollen junge und loyale Parteikollegen in die höchsten Führungsgremien gewählt werden. Noch nie gab es in der Geschichte der CDU einen solchen Umbruch: jünger, moderner, weiblicher soll die Partei werden.

Kampfkandidaturen gab es keine, als die Delegierten über die Personalvorschläge abstimmten. Die Augen richteten sich daher auf die Zustimmungsraten. Angela Merkel erhielt 90,4 Prozent der Stimmen, knapp fünf Prozent weniger als vor zwei Jahren. Im Vorfeld war immer wieder die Grenze von 90 Prozent im Gespräch - ein schlechteres Ergebnis, so viele Beobachter, wäre einem Denkzettel für ihre Leistung als Kanzlerin gleichgekommen. Als Denkzettel kann Merkels Wiederwahl demnach nicht gelten, aber weit entfernt davon war sie auch nicht.

Norbert Röttgen

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Neue CDU-Führung gewählt:Die stellvertretenden Parteivorsitzenden:

Norbert Röttgen

Der frisch gekürte CDU-Landesvorsitzende in Nordrhein-Westfalen kandidierte zum ersten Mal um einen Platz im engsten Machtzirkel um die Parteivorsitzende Angela Merkel. Der 45-Jährige erhielt 800 Ja- von insgesamt 907 gültigen Stimmen - das sind 88,2 Prozent. Er folgt Jürgen Rüttgers nach, der im Mai die Wahl in Nordrhein-Westfalen verlor und für den Bundesvorstand nicht wieder kandidierte.

Als Umweltminister gilt Röttgen als angeschlagen, weil er sich nicht mit seiner Forderung durchsetzen konnte, die Laufzeiten für Atomkraftwerke nur moderat zu verlängern. Dafür konnte er sich mit dieser Position bei Wählerschichten beliebt machen, die der Union sonst eher fernstehen. Röttgen gilt als Reformer in der CDU und knüpfte in der Vergangenheit Kontakte zu den Grünen. Der 45-jährige Jurist wird immer wieder als möglicher Nachfolger Angela Merkels im Kanzleramt genannt, genauso wie auch ...

Treffen der europäischen Arbeits- und Sozialminister - von der Leyen

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Ursula von der Leyen

...  Arbeitsministerin Ursula von der Leyen. Die 52-Jährige bewarb sich ebenfalls zum ersten Mal um den stellvertretenden Parteivorsitz. Röttgen und von der Leyen gelten als enge Vertraute der Kanzlerin. Beiden wird zugetraut, die CDU weiter zu modernisieren. Bereits in ihrer Zeit als Familienministerin setzte von der Leyen Reformen durch, die in der Union noch vor einigen Jahren als undenkbar galten. Ihr größter Erfolg war die Einführung des Elterngelds. Mit ihren Forderungen nach einem Ausbau der Krippenplätze erregte die siebenfache Mutter immer wieder den Unmut konservativer Parteikreise. Ihr Wahlergebnis konnte sich dennoch sehen lassen: 772 Delegierte gaben von der Leyen ihre Stimme - das sind 85,1 Prozent der gültigen Stimmen.

Die Konservativen könnten sich allerdings eher vertreten sehen durch ein weiteres neues Gesicht an der Parteispitze:

CDU-Landesparteitag

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Volker Bouffier

Der 58-Jährige erbte das Amt des hessischen Ministerpräsidenten von Roland Koch. Auf Bundesebene hat Volker Bouffier noch kein klares Profil entwickelt, gilt aber wie sein Ziehvater Koch als Vertreter des konservativen Parteiflügels. In Hessen hat Bouffier derzeit mit einem Untersuchungsausschuss zu kämpfen, der seine Rolle bei der umstrittenen Berufung eines Polizeipräsidenten prüft.

Beim Bundesparteitag erhielt Bouffier 772 von 907 gültigen Stimmen - das sind 85,1 Prozent . Bouffier gilt als Konservativer, der anstelle von Roland Koch zum Parteivize aufrückt.

Röttgen, von der Leyen und Bouffier sollen die ausgeschiedenen Christian Wulff, Jürgen Rüttgers und Roland Koch ersetzen. Noch nie in der Geschichte der CDU wurden so viele Stellvertreterposten gleichzeitig neu gewählt.

Annette Schavan

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Annette Schavan

Die Bildungsministerin ist bereits seit 1998 stellvertretende CDU-Vorsitzende. Annette Schavan ist die einzige der bisherigen Stellvertreter, die sich erneut bewirbt. Die 55-Jährige gilt als alte Verbündete von Angela Merkel und ist in konservativen CDU-Kreisen fest verwurzelt. Dennoch war Schavans Wahlergebnis das schlechteste im Quartett der Partei-Vizen: Mit nur 64,1 Prozent der gültigen Stimmen wurde sie im Amt bestätigt.

Die Wahl der vier Kandidaten um den stellvertretenden Parteivorsitz gilt als sicher. Da sich die Landesverbände im Vorfeld abgestimmt haben, kam es auf dem Parteitag in Karlsruhe zu keinen Kampfkandidaturen.

CDU-Vorstandssitzung

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Auch im CDU-Präsidium standen einige Neuwahlen an. Es ist der engste Kreis innerhalb des mehr als 60 Personen zählenden Parteivorstandes. Zum Präsidium gehören neben den stellvertretenden Vorsitzenden der Generalsekretär, der Schatzmeister und sieben weitere gewählte Mitglieder.

Hermann Gröhe

Generalsekretär Hermann Gröhe galt vor der Wahl am ehesten als Wackelkandidat. Es wurde befürchtet, dass die Delegierten bei der Wahl des Generalsekretärs möglichen Unmut über den Kurs von Kanzlerin Angela Merkel abladen könnten. Das passierte nicht - im Gegenteil: Gröhe erhielt 810 von 897 gültigen Stimmen. Sein Ergebnis von 90,3 Prozent lag damit nur sehr knapp unter dem der Kanzlerin.

Gröhe wurde erst vor einem Jahr vom Bundesvorstand zum Generalsekretär bestimmt und stellt sich nun zum ersten Mal dem Votum eines Parteitags. Der 49-jährige Jurist und Abgeordnete aus dem niederrheinischen Neuss empfahl sich für höhere Aufgaben, als er vor zwei Jahren den damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier im BND-Untersuchungsausschuss mit seinen Fragen quälte.

Helmut Linssen

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Helmut Linssen

Der frühere NRW-Finanzminister soll Eckart von Klaeden im Amt des CDU-Schatzmeisters folgen. Linssen steht wie Gröhe und Röttgen für eine wieder erstarkende Vertretung des mitgliederstarken nordrhein-westfälischen Landesverbands in der CDU-Spitze. Auch der Schatzmeister gehört kraft seines Amtes dem Parteipräsidium an. Der 68-Jährige erhielt in Karlsruhe 97,18 Prozent der Stimmen.

Eckart von Klaeden

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Eckart von Klaeden

Der Merkel-Vertraute Eckart von Klaeden ist seit einem Jahr Staatsminister im Kanzleramt und bewirbt sich nun zum ersten Mal um einen Präsidiumsposten. Von Klaeden gehört seit 2004 dem CDU-Bundesvorstand an, dem erweiterten Führungsgremium der Partei. Auf eine erneute Kandidatur als Schatzmeister hat er verzichtet, um keine Konflikte im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit im Kanzleramt aufkommen zu lassen. Der 44-Järhige erhielt 65,27 Prozent der Stimmen.

Saxony's state premier Tillich addresses a news conference in Berlin

Quelle: REUTERS

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Stanislaw Tillich

Der Sorbe ist seit 2008 sächsischer Ministerpräsident und ist ebenfalls ein frisches Gesicht im Parteipräsidium. Der 51-Jährige gilt als aufstrebende Figur in der CDU, auch wenn er in seiner kurzen Amtszeit als Ministerpräsident schon zwei Affären überstehen musste. Erst hatte er mit Vorwürfen zu kämpfen, seine Rolle im DDR-Staatsapparat geschönt zu haben. Erneut kam Tillich in die Kritik, als sich herausstellte, dass seine Partei Gespräche mit ihm gegen die Zahlung von Parteispenden gewährt hatte. Die Auszählung sprach für Tillich: Er wurde mit 78,78 Prozent ins Amt gewählt.

Interview mit Julia Kloeckner zur Debatte um Praeimplantationsdiagnostik

Quelle: dapd

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Julia Klöckner

Die 37-Jährige vertritt den rheinland-pfälzischen Landesverband im Präsidium. Auch Julia Klöckner bewarb sich zum ersten Mal. Im März 2011 steht ihr eine weitere, mindestens genauso wichtige Wahl bevor: Die Landesvorsitzende fordert an diesem Tag Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) bei den rheinland-pfälzischen Landtagswahlen heraus. Kein anderes Präsidiumsmitglied erfuhr so viel Zustimmung wie Klöckner: Sie wurde mit 94,43 Prozent der Stimmen gewählt. Klöckner ist seit 2009 Parlamentarische Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium.

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Annegret Kramp-Karrenbauer soll neue Vertreterin der Frauen-Union im CDU-Präsidium werden. Der überaus beliebten saarländischen Arbeitsministerin wird nachgesagt, sie sei nach dem Abitur in die CDU eingetreten, weil sie sich über die Benachteiligung von Frauen geärgert habe. Viele im Saarland trauen der 48-jährigen Kramp-Karrenbauer zu, Ministerpräsident Peter Müller zu beerben, sollte er im kommenden Jahr tatsächlich aus dem Amt scheiden. Ihr Wahlergebnis als Präsidiumsmitglied fiel allerdings vergleichsweise knapp aus: Kramp-Karrenbauer erhielt 57,45 Prozent der Stimmen.

Nach der Fed-Entscheidung: Deflation, Wechselkurse und Blasen

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Wolfgang Schäuble

Finanzminister Wolfgang Schäuble ist nur noch einfaches Präsidiumsmitglied, seit Angela Merkel ihm vor zehn Jahren den Parteivorsitz abnahm. Schäuble war schon unter Helmut Kohl Bundesminister, sitzt seit 1989 im Parteivorstand und gilt als einer der letzten großen Konservativen in der CDU. Er wurde lange als Rivale der Kanzlerin bezeichnet. Inzwischen ist er aber zu alt, um ihr noch gefährlich zu werden. Derzeit hat der politisch wie gesundheitlich angeschlagene Schäuble mit hartnäckigen Gerüchten über einen baldigen Rücktritt zu kämpfen. Diesen Gerüchten versuchte Angela Merkel in ihrer Rede abermals den Wind aus den Segeln zu nehmen - und auch das Wahlergebnis dürfte Schäuble ermutigen: Er erhielt 85,64 Prozent der Stimmen - genau so viel wie vor zwei Jahren.

Aussprache zur Regierungserklaerung im Duesseldorfer Landtag

Quelle: dapd

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Karl-Josef Laumann

Der Fraktionschef der CDU in Nordrhein-Westfalen ist seit 2004 Präsidiumsmitglied. Der Sozialpolitiker ist Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft und wird oft als "soziales Gewissen" in der Union bezeichnet. Gemeinsam mit dem früheren Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers hat Laumann die CDU mehrfach zu mehr Rücksicht auf Arbeitnehmer und sozial Schwache aufgefordert. Laumann errang mit 76,53 Prozent der Delegiertenstimmen dieselbe Zustimmungsrate wie bei den Präsidiumswahlen 2008.

Deutschlandtag der Jungen Union

Quelle: dpa

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Philipp Mißfelder

Mit 31 Jahren ist Philipp Mißfelder noch immer das jüngste Mitglied im CDU-Präsidium - obwohl er schon vor zwei Jahren in das Gremium gewählt wurde. Der Vorsitzende der Jungen Union (JU) mahnt in der parteiinternen Diskussion immer wieder das konservative Leitbild der Union an. In der Vergangenheit fiel Mißfelder wiederholt durch umstrittene Äußerungen auf, etwa, als er sagte, er halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke erhielten. Im vergangenen Jahr bezeichnete er die Anhebung des Hartz-IV-Regelsatzes für Kinder als "Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie". Mißfelder konnte sein Ergebnis von 2008 - 66,49 Prozent - nicht halten und wurde mit nur 57,34 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt.

© sueddeutsche.de/Malte Conradi/bavo/bön
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