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Die Grünen im Umfragehoch:"2011 wir grün"

Der Parteibasis flatterte am Wochenende ein Schreiben der Parteichefs Özdemir und Claudia Roth ins Haus, eine Aufforderung zum Sturm auf die Parlamente. "Bis zur letzten Minute", gelte es zu kämpfen, mahnen beide darin, 2011 werde ein entscheidendes Jahr. "Schaffen wir es, erstmals in unserer Geschichte in allen 16 Landtagen vertreten zu sein?", fragen sie bange. Die Aussicht wäre verlockend, denn das ist derzeit nur Union und SPD vergönnt. "Wir haben die Chance, wenn wir alles richtig machen", sagt Özdemir. Oder anders gewendet: Wenn die Grünen jetzt keine Fehler machen.

Zweimal trifft die Bundespartei in dieser Woche zu Klausuren zusammen, erst ihr Vorstand, dann die Bundestagsfraktion. Beide Male wird es um das Geheimnis des Erfolges gehen, das sich den Grünen mitunter selbst nicht ganz erschließt - und es wird darum gehen, was sich aus den Erfolgen machen lässt. Gleich an diesen Montag hat sich die Parteispitze als ersten Punkt "2011 wird grün" auf die Tagesordnung gesetzt. Zu Gast ist ein Meinungsforscher. Er soll darlegen, wo die Potentiale liegen - und wie groß die Chancen der Grünen in den Ländern sind.

Denn jenseits der Demoskopie baut sich schon ein neues Schreckensszenario auf: Was passiert eigentlich, wenn die Ergebnisse hinter den Umfragen zurückbleiben? Wenn in Baden-Württemberg nicht 28, sondern etwa "nur" 20 Prozent den Grünen die Stimme geben? Sind sechs Prozent in Sachsen-Anhalt eine Niederlage - wenn Umfragen schon neun versprachen? Wie lange noch erreichen die Grünen auf Bundesebene Werte um die 20 Prozent? Die ersten Strategen steuern schon vorsorglich gegen. "Wenn die schlimmste Schlagzeile über uns 2011 heißt: Grüne stürzen auf 17 Prozent ab", sagt die Politische Geschäftsführerin Steffi Lemke, "dann verspricht das Jahr für uns ziemlich erfolgreich zu werden."

Und wenn es einmal nicht so klappt mit dem Weg nach oben, dann bleibt immer noch PlanB. Im Harz-Örtchen Schierke stapft Cem Özdemir nun durch den Schnee zu einem Hotel am Ortsrand, es gibt Kuchen, ein paar Vorträge und Kräuterschnaps statt Bahnfahrt zum Brocken. Und am Ende, ohne dass irgendjemand danach gefragt hätte, ist Özdemir beim Jahr 2013. "Wenn wir dann hoffentlich im Bund regieren", holt er aus, wenn also Tempolimit auf Autobahnen, bäuerliche Landwirtschaft, höhere Wärmestandards für ältere Gebäude erst einmal umgesetzt würden, "da müssen wir schauen, ob die Truppen dann noch hinter uns stehen. Da knirscht's im Gebälk." Und das klingt dann schon fast wie eine Drohung.

© SZ vom 10.01.2011/juwe
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