Deutsch-russischer Streit in Wuppertal Des Zaren neues Denkmal

Das Drei-Kaiser-Denkmal in den Hardt-Anlagen in Wuppertal.

(Foto: Atamari / CC BY-SA 3.0)
  • Wuppertal sagt die Enthüllung eines mit russischem Geld restaurierten Denkmals ab - wegen der Gewalt in der Ukraine.
  • Der russische Botschafter schreibt daraufhin einen bösen Brief an Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin.
  • Der Energiekonzern Gazprom hatte 70 000 Euro für die Restaurierung gezahlt.
Von Jannis Brühl, Köln

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Russland und der Stadt Wuppertal sind auf dem Tiefpunkt. Putins Botschafter hat einen irritierten Brief an die nordrhein-westfälische Landesregierung in Düsseldorf geschickt. Denn Wuppertal hat sich in eines der heikelsten Themen der Weltpolitik eingemischt: der Konflikt im Osten der Ukraine. Es geht um einen Batzen Geld aus dem russischen Gasgeschäft und ein paar Steine im Stadtteil Elberfeld.

Ihren Anfang nahm die Geschichte mit dem schlechten Zustand des Drei-Kaiser-Denkmals, einer Anordnung von vier Säulen im Hardt-Park. Drei von ihnen erinnern an je einen der Monarchen, die vor 200 Jahren Napoleons Truppen vertrieben und später die "Heilige Allianz" formten: Friedrich Wilhelm III. von Preußen, Franz I. von Österreich und Zar Alexander I. von Russland. Nun wollten russische Abgeordnete und ein russischer Kulturverein aus Wuppertal das Denkmal komplett restaurieren. Wegen der Spannungen in der Ukraine legten sie sich ins Zeug, um die Deutschen an die alte Waffenbruderschaft zu erinnern (Ein Interview mit der Geschäftsführerin des Vereins lesen Sie hier).

Die Restaurierung kostete 80 000 Euro, doch in Wuppertal ist das Geld knapp, wie in vielen Kommunen in NRW. Es fanden sich aber Sponsoren. 70 000 Euro, ein Großteil der Summe, kamen vom Energiekonzern Gazprom und seiner Tochter Wingas. Gazprom, größter Erdgasförderer der Erde, gehört mehrheitlich dem russischen Staat. Und diese Besitzverhältnisse sind nun ein Problem für die Wuppertaler Politik.

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Dem Gasversorger Gazprom haftet der Ruf an, vom Kreml als politische Waffe eingesetzt zu werden - zum Beispiel im Streit mit der Ukraine. Seit Juni 2014 lieferte Russland kein Gas mehr an das Nachbarland, erst vor Kurzem einigten sich beide Länder. Öffentlichkeitsarbeit in Westeuropa hat deshalb hohe Priorität im Konzern. Gazprom sponsert nicht nur Fußballmannschaften wie Schalke 04 und den FC Chelsea, sondern steckt auch Geld in Kultur, unterstützt unter anderem die russische Filmwoche und das deutsch-russische Kulturfest in Berlin.

"Das sieht schon seltsam aus"

Am vergangenen Samstag wollte die Stadt das restaurierte Denkmal feierlich enthüllen - genau 200 Jahre, nachdem die Wuppertaler jene "Friedenseiche" pflanzten, die bald durch das Denkmal aus Stein ersetzt wurde. Aus einer kleinen lokalen Feier mit dem in der Stadtspitze wohlgelittenen russischen Konsul aus Bonn wurde jedoch nichts. Denn irgendwann kündigte sich auch der Botschafter aus Berlin in Wuppertal an. "Es sah so aus, als ob das eine großrussische Veranstaltung werden könnte", sagt Kulturdezernent Matthias Nocke.

Vor dem geistigen Auge der Stadtoberen tanzten wohl schon die Kosaken auf der Hardt - und es machte sich Furcht breit, man könnte ungewollt russischer Propaganda dienen. Nocke sagt: "Das sieht schon seltsam aus, wenn an den EU-Außengrenzen Menschen sterben und wir feiern hier russische Soldaten." Der Ältestenrat der Stadt sagte daraufhin das Fest zur Enthüllung ab und verschob es auf unbestimmte Zeit. Der Kulturverein enthüllte nun das restaurierte Denkmal allein, in einer kleinen Zeremonie ohne Vertreter der Stadtverwaltung.

Nun beschäftigen sich höhere Ebenen mit den Säulen, die den Monarchen gewidmet sind. Am 24. Oktober bekam Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) in Düsseldorf einen Brief des russischen Botschafters. Zum Inhalt will ihre Staatskanzlei nichts sagen, besonders positiv war er wohl nicht. In Düsseldorf will man nicht in die Geschichte mit hineingezogen werden. Ein Sprecher sagt: "Das ist eine rein Wuppertaler Angelegenheit. Wir werden uns da nicht einmischen." Einen Fragenkatalog mussten die Wuppertaler Behörden der Landesregierung beantworten, dann verfasste diese eine Antwort an den Botschafter.

Eigentlich haben sie in Wuppertal Erfahrung mit politisch schwierigen Geldgebern für Denkmäler. Der berühmteste Sohn der Stadt ist Friedrich Engels, Mitbegründer des Marxismus. Vor einigen Monaten bekam die Stadt einen 3,85 Meter großen, 900 Kilogramm schweren Engels aus Bronze in den Garten gestellt - und zwar von der chinesischen Regierung. Die Verehrung von Engels als Philosoph gehört in China zur Erziehung, und chinesische Touristen sollen nun Geld in die Stadt bringen.

Sieht man davon ab, dass damals ein Bürgermeister von der CDU gezwungen war, die Kommunisten für ihre Großzügigkeit zu feiern, verlief die Enthüllung des Denkmals vergleichsweise konfliktfrei. So ein Engels hat heutzutage einfach keine außenpolitische Brisanz mehr.

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