Demografie in Deutschland:Sächsische Kommunen kämpfen gegen den Trend

In einer Stadt wie Neubrandenburg sinkt dagegen die Zahl der Erwerbstätigen laut BBSR-Berechnungen zwischen 1990 und 2030 um 63 Prozent - während dieser Wert in München deutlich steigt. In der bayerischen Landeshauptstadt klagt man dafür über fehlenden Wohnraum, hohe Mieten und Reichenghettos.

Während die ländlichen Gebiete im Osten Deutschlands vergreisen, bleibt der Altersschnitt in München und dem Umland einigermaßen konstant. "Großstädte sind ein Magnet für junge Menschen", sagt Steffen Kröhnert, Leitender Wissenschaftler vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, im Interview mit der SZ (...hier gehts zum Interview). "Die Überalterung findet vorwiegend auf dem Land statt."

Wobei Land nicht gleich Land ist. Auch die Dörfer in den Landkreisen Erding und Ebersberg oder der Kreis Lüneburg weisen ländliche Strukturen auf. Diesen Regionen kommt ihre Nähe zu Boom-Metropolen wie München und Hamburg zugute. Auch Landkreise wie Weimar in Thüringen oder Eichstätt in Bayern haben nicht gerade einen großstädtischen Charakter. Sie profitieren jedoch von Hochschulen, die viele Junge und Kreative in die Gegend locken. "Außerhalb von Metropolregionen wird es Städte geben, in denen das Leben blüht", sagt Kröhnert.

Das Ergebnis: Der Kreis Eichstätt zählt zu den Gewinnern der Entwicklungen (plus 29 Prozent Einwohnerwachstum in 40 Jahren), Weimar kann den Status quo immerhin weitgehend halten (minus ein Prozent).

Einer Stadt wie Suhl wird das nicht helfen. Dort hat man sich mit dem Trend längst abgefunden. Im Jahr 2013 sollen alleine 5689 Wohnungen vom Suhler Wohnungsmarkt genommen sein, 3558 davon aus dem Bestand der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft. In der sächsischen Provinz versuchen vier Gemeinden, mit einer "Demografie- und Innovationspartnerschaft" gegen die Landflucht anzukämpfen - jede mit einem eigenen Schwerpunkt.

DDR-Plattenbauviertel vor Komplett-Abriss

Telefonzelle vor einer Plattenbausiedlung in Suhl: Eine Stadt baut zurück.

(Foto: dapd)

Rochlitz, ein 6000-Einwohner-Ort, lockt junge Familien mit vergleichsweise günstigen Grundstückspreisen, hat die kommunalen Wohnungen verkauft und dafür eine Kita gebaut und die Grundschule saniert. Geithain inszeniert sich als jugendfreundliche Stadt, Kohren-Salis setzt auf seine Vereine und Wechselburg stärkt mit Initiativen den Tourismus. "Der demografische Wandel bietet den Regionen auch Chancen, mit Innovationen die Veränderungen zu ihrem Vorteil zu nutzen", sagt der sächsische Staatsminister Johannes Beermann (CDU).

Ist die Landflucht doch zu stoppen? Es gab ja schon einmal einen Trendbruch. In den 90er Jahren waren die Städte verpönt, die Familien suchten ihr Glück auf dem Land. Sozialwissenschaftler Kröhnert glaubt nicht an einen erneuten Boom der Provinz. Manche Kleinstädte könnten zwar ihre Einwohnerzahl auf niedrigem Niveau stabilisieren. Aber: "Manche Dörfer werden verschwinden."

Anmerkung der Redaktion: In einer alten Version des Textes war zu lesen, dass die Stadt Suhl im Jahr 2013 insgesamt 5689 Wohnungen abreißen wird. Richtig ist, dass im Jahr 2013 insgesamt 5689 Wohnungen vom Suhler Wohnungsmarkt verschwunden sein werden. Die Zahl bezieht sich also nicht auf das Jahr 2013 sondern auf den Zeitraum bis einschließlich 2013. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

© Süddeutsche.de/beu/woja
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