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Dänemark:Terrornetzwerk zerschlagen

Die Terrorverdächtigen, die bei einer Großaktion der dänischen Polizei festgenommen wurden, sollen unter anderem Sprengstoffanschläge geplant haben.

(Foto: Philip Davali/AFP)

Die Polizei verhaftet 21 mutmaßliche Islamisten. Die Festgenommenen sollen Anschläge geplant haben.

Von Kai Strittmatter, Kopenhagen

In Dänemark haben Polizei und Geheimdienste eigenen Angaben zufolge ein landesweit agierendes terroristisches Netzwerk zerschlagen. In einer für Dänemark beispiellosen Polizeiaktion schwärmten am Mittwoch Beamte zu 20 Adressen im ganzen Land aus und nahmen 21 Personen fest. Acht von ihnen wurden am Donnerstag in Kopenhagen dem Haftrichter vorgeführt, einer wurde in Odense vernommen, die anderen während der Untersuchungen vorläufig wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Festgenommenen hätten eine "militant islamistische" Einstellung, teilte die Polizei mit und seien wahrscheinlich mit der Vorbereitung von Terroranschlägen beschäftigt gewesen. Man habe alle Gesuchten festsetzen können, die Flucht sei keinem gelungen.

Ministerpräsidentin Mette Frederikes dankte den Beamten am Donnerstag für ihre "außerordentliche gute Arbeit". Gleichzeitig zeigte sich die Premierministerin besorgt. Sie sei wütend: "Ich bin zornig, dass es Leute gibt, die Dänemark schaden wollen. Ich bin zornig über die Radikalisierung, die wir auch in Dänemark beobachten." An der Einstufung der Terrorgefahr für Dänemark ändere sich nichts, sie gelte weiter als "ernsthaft", teilte der Leiter der Operation von Seiten des Inlandsnachrichtendienstes, Flemming Drejer mit: "Leider bestätigt dieser Fall, dass es Menschen gibt, die sowohl die Absicht als auch die Fähigkeit haben, Terroranschläge in Dänemark zu begehen."

In Kopenhagen wurden die acht Hauptverdächtigen - sechs Männer und zwei Frauen - in zwei Gruppen Haftrichtern vorgeführt. Vier Männer und eine Frau werden beschuldigt, den Kauf von Schusswaffen, Schalldämpfern und Munition geplant zu haben. Die anderen beiden Männer und eine Frau sollen versucht haben, Bomben aus TATP-Sprengstoff herzustellen, um damit Bombenanschläge in Dänemark oder im Ausland durchzuführen. TATP ist ein hochexplosiver und bei islamistischen Attentätern beliebter Sprengstoff. Die Attentäter von Paris nutzten im November 2015 TATP. Die Festgenommenen in Dänemark werden alle nach dem dänischen Terrorismusparagraphen angeklagt, der Strafen bis zu einer lebenslangen Haft vorsieht.

Nach Ansicht eines Experten ist Dänemark das am meisten gefährdete Land Skandinaviens

Einige der Festgenommenen seien in der Vergangenheit schon mit Brandanschlägen straffällig geworden, berichten dänische Medien. Ein weiterer Verdächtiger, über den bislang nichts bekannt ist, wurde offenbar in der Stadt Odense unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen, dem öffentlich-rechtlichen Sender DR zufolge steht sein Fall in Verbindung mit den anderen. Der norwegische Geheimdienst PST gab am Donnerstag bekannt, dass auch in Norwegen gegen einen 20-Jährigen ermittelt werde, der Verbindungen hatte zu den Verdächtigen in Dänemark.

Viele Details des Falles sind noch unbekannt. So gibt es bislang keine Informationen über mögliche Anschlagsziele oder wie weit die Vorbereitungen fortgeschritten waren. Das dänische Kristeligt Dagblad zitierte am Donnerstag den schwedischen Terrorexperten Magnus Ranstorp mit der These, wonach Dänemark noch immer das am meisten terrorgefährdete Land Skandinaviens sei. Wichtigster Grund sei nach wie vor die Krise um die Mohammed-Karikaturen sei, die die dänische Zeitung Jyllands-Posten im Jahr 2005 abdruckte, und die für manche Islamisten das Land bis heute zum Symbol "für eine Konfrontation zwischen dem Islam und dem Westen" mache. Der letzte Terroranschlag in Dänemark hatte sich Anfang 2015 ereignet. Damals hatte ein islamistischer Attentäter in Kopenhagen einen Wachmann der jüdischen Synagoge und einen Filmregisseur erschossen und sechs Polizisten verwundet.

© SZ vom 13.12.2019

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