Cumhuriyet-Prozess Die Vorwürfe gegen "Cumhuriyet" sind an Absurdität nicht zu überbieten

Die Kurden, die Linken und das Gülen-Netzwerk: Sie alle soll das republikanische Traditionsblatt unterstützt haben. Die Zeitung ist der türkischen Regierung schon lange ein Dorn im Auge.

Kommentar von Luisa Seeling

Die Vorwürfe gegen die Angeklagten im Cumhuriyet-Prozess sind an Absurdität kaum zu überbieten. 17 Mitarbeiter der Zeitung stehen wegen Unterstützung von Terrororganisationen vor Gericht - die Anklage nennt die PKK, die linksmilitante DHKP-C und das Gülen-Netzwerk, das laut Regierung hinter dem Putschversuch von vergangenem Jahr stecken soll. Dabei hat Cumhuriyet schon kritisch über Gülen berichtet, als die Regierenden noch einträchtig mit ihm zusammenarbeiteten und mit seiner Hilfe ihre islamisch-konservativen Seilschaften im Staatsapparat ausbauten.

Die säkulare Zeitung und der fromme Verschwörer - wie das zusammenpassen soll, ist rätselhaft. Ebenso hanebüchen ist der Vorwurf, das republikanische Traditionsblatt sympathisiere mit der separatistischen PKK. In Wahrheit ist der Terrorvorwurf Mittel zum Zweck. Mit fadenscheinigen Anschuldigungen soll das publizistische Flaggschiff des kemalistischen Lagers mundtot gemacht werden.

Cumhuriyet ist der Regierung schon lange ein Ärgernis. Ihre wichtigste Enthüllung - Waffenlieferungen des Geheimdienstes an syrische Islamisten - machte sie 2015 zur Zielscheibe. Dass sie überhaupt noch erscheint, grenzt an ein Wunder. Es ist dem Mut und der Hartnäckigkeit der Mitarbeiter zu verdanken, dass eine der letzten unabhängigen Pressestimmen noch nicht verstummt ist. In diesem Prozess geht es nun ums Überleben.

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