Cottbus:Ein Anfang

Braunes Nest? Die zerrissene Stadt muss im eigenen Interesse Zeichen setzen.

Von Jens Schneider

Viel zu lange wurde in Cottbus getan, als hätte man kein großes Problem. Fremdenfeindlichkeit gebe es überall, hieß es nach Attacken auf Flüchtlinge. Nun ist die Situation eskaliert. Nach der Empörung über Angriffe junger Syrer auf Einheimische wirkt Cottbus tief gespalten. Jeder neue Vorfall macht bundesweit Schlagzeilen. Viele Cottbusser beklagen, ihre Stadt werde als braunes Nest abgestempelt. Das ist Cottbus nicht. Doch zwei extrem gegensätzliche Demonstrationen am Wochenende haben offenbart, wie dringend diese zerrissene Stadt im eigenen Interesse Zeichen setzen muss.

Wohin Weggucken führt, zeigte sich bei der von einem rechtslastigen Verein angemeldeten Kundgebung: Da demonstrierten besorgte Einheimische an der Seite fremdenfeindlicher Gruppierungen. Die wollen Cottbus zu einem Symbol für ihre Bewegung machen und haben entsprechend mobilisiert. Ihnen geht es nicht darum, wie man die Spannungen lösen kann, sondern um generelle Ablehnung von Flüchtlingen. Wer diesen Demonstranten die Bühne überlässt, gibt die Stadt den rechten Kräften preis.

Aber es gibt Bürger, die dagegenhalten, weil sie ein weltoffenes Miteinander wollen - und längst leben. Cottbus ist in den letzten Jahren bunter geworden. Die Stadt hat rund um die aufstrebende Technische Universität Perspektiven entwickelt. Es mag am Samstag die kleinere Demonstration gewesen sein, die diese Haltung zum Ausdruck brachte. Aber sie war ein wichtiger Anfang.

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