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Karneval in NRW:Schon jetzt ist alles vorbei

Karnevalswagen im Februar 2020

Böse Vorahnung: Karnevalswagen im Februar.

(Foto: Federico)

In dieser Karnevalssaison wird es auf den Straßen keine Tausenden Jecken geben. Die Rosenmontagszüge fallen in NRW Corona-bedingt aus. Das steht nach dem Gipfel der großen Karnevalsverbände mit der NRW-Regierung fest.

Von Christian Wernicke, Düsseldorf

Die fünfte Jahreszeit wird ausfallen - zumindest ihre Großveranstaltungen wie lange Straßenumzüge oder launige Schunkel- und Prunksitzungen in den Karnevals-Hochburgen von Nordrhein-Westfalen. Diese Entscheidung verkündeten am Freitagabend die Teilnehmer des sogenannten "Karneval-Gipfels", bei dem die großen Karnevalsverbände mit der NRW-Regierung nach Corona-gerechten Verhaltensregeln für die feucht-fröhlichen Zeiten zwischen dem 11. 11. und Aschermittwoch suchten. "Gesellige Veranstaltungen werden grundsätzlich untersagt", teilte NRW-Staatssekretär Nathanael Liminski (CDU) anschließend mit, der die Verhandlungen leitete. Ein Karneval, "so wie wir ihn kennen", werde in Zeiten der Pandemie nicht möglich sein.

Bereits vor Beginn der Sitzung stand fest: Bilder Tausender Jecken, die sich in der Düsseldorfer Altstadt oder auf dem Kölner Heumarkt am 11. November um 11.11 Uhr in die Arme fallen, wird es 2020 nicht geben. Solche Kultorte dürften den Narren mit behördlichen "Verweilverboten" versperrt bleiben.

Christoph Kuckelkorn, der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, forderte sogar, der Karneval solle am 11.

11. auf den Straßen Kölns "nicht sichtbar" sein. Ursprünglich hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), als gebürtiger Aachener selbst leidenschaftlicher Karnevalist, die Verbände überreden wollen, freiwillig auf Großveranstaltungen zu verzichten. Ganz ähnlich hatte Laschet sich im Frühjahr beim Lockdown mit den Religionsgemeinschaften geeinigt: Die Gemeinden sagten Gottesdienste, Ostergebete und Ramadan freiwillig ab - und NRW verzichtete auf die behördliche Schließung von Kirchen, Synagogen oder Moscheen. Die Karnevalisten hingegen drangen in den vergangenen Wochen auf klare hoheitliche Maßnahmen und forderten strikte Verbote "von oben."

Ihr Argument: Nur so könne es den Vereinen gelingen, zahllose Verträge mit angeheuerten Büttenrednern und Musikkapellen sowie zur langfristigen Anmietung von Veranstaltungssälen aufzulösen, ohne dann hohe Schadenersatz-Forderungen fürchten zu müssen. "Wir müssen sehen, wie unsere Vereine sauber aus diesen Verträgen rauskommen", sagte Klaus-Ludwig Fess, der Präsident des Bundes Deutscher Karneval (BDK)

der Süddeutschen Zeitung. Die Landesregierung will die juristischen Verfügungen den städtischen Ordnungsämtern überlassen - und selbst nur "Empfehlungen" aussprechen.

Laschet nahm an den Verhandlungen am Freitag nicht teil. Die Karnevalisten trieb auch die Sorge ums eigene Image an. Bilder von angeheiterten oder volltrunkenen Feiernden, so argumentierten zum Beispiel Mitglieder des Festkomitees Kölner Karneval, würden weltweit einen größeren Schaden für den Ruf ihres "immateriellen Kulturerbes" anrichten als eine ausgefallene Session. Beim Treffen in der Düsseldorfer Staatskanzlei wurde deshalb auch über strikte Alkoholverbote auf kleineren, noch erlaubten Saal-Veranstaltungen und an traditionellen Karnevalsplätzen beraten. "Alkohol ist nicht das Wesen des Karnevals", sagte BDK-Chef Fess, "Exzesse wie Wildpinkler in den Straßen haben mit unserem Brauchtum nichts zu tun".

Die NRW-Landesregierung wies am Freitag darauf hin, dass viele Großevents schon durch die Corona-Schutzverordnung untersagt seien: Rosenmontagsumzüge mit Zehntausenden Zuschauern am Straßenrand seien ebenso unzulässig wie Bälle und Prunksitzungen, an denen mancherorts weit mehr als tausend Narren teilnehmen. Möglich seien aber draußen wie drinnen Veranstaltungen mit maximal 150 Teilnehmern, die den Corona-Regeln - Mindestabstand, Maskenpflicht, Niesen in die Armbeuge - gehorchten. Karnevals-Vertreter der sogenannten ABCD-Städte - der rheinischen Hochburgen Aachen, Bonn, Cöln (Köln) und Düsseldorf - hatten dazu ein Kompromisspapier erarbeitet. Darin empfehlen sie strikte Hygienekonzepte mit Teilnehmerlisten und präzisen Sitzplänen. Tanzflächen und Polonaisen wurde bereits im August eine Absage erteilt, ebenso dem Ausschank hochprozentigen Alkohols.

© SZ vom 19.09.2020
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