Corona:Von Quarantänedauer bis Kontaktreduzierung

Corona: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und seine Länder-Kollegen plädieren für einen verkürzten Quarantäne-Zeitraum.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und seine Länder-Kollegen plädieren für einen verkürzten Quarantäne-Zeitraum.

(Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Gesundheitsminister Lauterbach kündigt "gute Vorschläge" im Kampf gegen Omikron an.

Von Henrike Roßbach, Berlin

In Deutschland rückt die Notfallplanung für die erwartete Infektionswelle wegen der ansteckenden Omikron-Variante ins Zentrum politischer Überlegungen. Die Omikron-Variante nehme deutlich zu, besonders im Norden Deutschlands, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Mittwochabend in der ARD. "Wir müssen uns jetzt überlegen: Wie gehen wir damit um? Was bedeutet das zum Beispiel für die Quarantänedauer, was bedeutet das für die Kontaktreduzierungen, was bedeutet das für die Booster-Kampagne?"

Letztere sei von größter Bedeutung, so Lauterbach. Die gute Nachricht sei, dass die Kampagne für die Auffrischungsimpfungen trotz der Feiertage sehr schnell weiterlaufe. Er appellierte an alle Bürger, sich ein drittes Mal impfen zu lassen; die Booster-Impfung sei der beste Schutz vor Omikron.

Experten gehen davon aus, dass die Omikron-Variante den Immunschutz von nur zweifach Geimpften unterlaufen kann. Erst mit der dritten Impfung besteht ein guter Schutz vor einer symptomatischen Infektion. Lauterbach selbst hatte bereits am Mittwochnachmittag davon gesprochen, dass diese Schutzwirkung schon eine Woche nach der Booster-Impfung bei 70 bis 80 Prozent liege. Er hatte zudem darauf hingewiesen, dass die tatsächliche Inzidenz in Deutschland aktuell zwei- bis dreimal so hoch sei wie vom Robert-Koch-Institut ausgewiesen. Als Grund für die ungenaue Datenlage nannte er weniger Tests über die Feiertage hinweg und Personalmangel in den Gesundheitsämtern.

Binnen vier, fünf Tagen ist mit verdoppelten Fallzahlen zu rechnen

Unter Verweis auf Schätzwerte betonte Lauterbach am Mittwochabend, was man derzeit in Deutschland sehe, unterscheide sich nicht so stark von dem, was in anderen Ländern zu beobachten sei, wo das Omikron-Problem schon weiter fortgeschritten sei. Bei Omikron sei eine Verdopplung der Fälle innerhalb von vier bis fünf Tagen zu erwarten.

Zu neuen Maßnahmen äußerte der Minister sich zunächst nicht, verwies aber auf das Bund-Länder-Treffen am 7. Januar. Der Expertenrat der Regierung befasse sich derzeit schon mit der Situation, spätestens kommende Woche werden man "gute Vorschläge unterbreiten" können.

Derweil hat die Bundesregierung neue Hochrisikogebiete ausgewiesen. Von Samstag an gilt nun auch Italien als Hochrisikogebiet. Das bedeutet, dass Reisende aus Italien strengeren Regeln unterworfen sind; unter anderem müssen Ungeimpfte - auch Kinder - nach der Rückkehr mindestens fünf Tage in Quarantäne. Auch Kanada, Malta und San Marino gelten von Neujahr an als Hochrisikogebiet; Mauritius dagegen nicht mehr. Schon am 25. Dezember waren unter anderem die USA, Spanien und Portugal wieder als Hochrisikogebiete eingestuft worden; Österreich dagegen fiel aus der Kategorie der Hochrisikogebiete heraus.

Großbritannien und die USA, wo Omikron schon weitverbreitet ist, haben angesichts hoher Infektionszahlen bereits die Quarantänezeit für Infizierte ohne Symptome verkürzt. Hintergrund ist die Sorge, dass sonst wegen des Personalmangels die Grundversorgung nicht mehr gesichert sein könnte. Auch in Spanien wurde die Quarantäne-Dauer für symptomlose Infizierte von zehn auf sieben Tage verkürzt.

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