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Epidemiologe Ferguson:Ertappter Corona-Held

Scientist advises UK gov't on coronavirus steps down after lockdown breach

Entschuldigte sich für sein Verhalten: Großbritanniens Corona-Experte Neil Ferguson.

(Foto: REUTERS)

Neil Ferguson ist mitverantwortlich für die Kontaktsperre der britischen Regierung in der Corona-Krise. Jetzt enthüllt die Boulevard-Presse, dass er sich illegal mit seiner Geliebten traf.

Britische Zeitungen präsentierten am Mittwoch auf ihren Titeln triumphierend die Fotos von zwei Menschen: eine junge, blonde Frau mit knallrotem Lippenstift, und ein streng schauender Mann mit Hornbrille. Es handelte sich dabei um eine, wie betont wurde, "verheiratete Geliebte", die mit Mann und zwei Kindern im Londoner Süden lebe, und ihren Lover, den Regierungsberater und Epidemiologen am Imperial College London, Professor Neil Ferguson. Ferguson war in der Corona-Krise im Königreich bekannt geworden, weil sein Team die Modellrechnungen erstellte, auf deren Basis sich Downing Street zum Abschied von der sogenannten Herdenimmunität und zum Einstieg in einen seit Wochen dauernden Lockdown entschied.

Wenn keine Kontaktsperren erlassen würden, hatte Ferguson im März gesagt, dann könne es auf der Insel bis zu einer halben Million Tote geben. Ferguson war Mitglied im Sachverständigenrat, der Downing Street berät. Er trat sofort nach Bekanntwerden seiner Affäre von dieser Funktion zurück.

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Denn das mit den reduzierten Kontakten, auf englisch "social distancing" genannt, ist so eine Sache. Ferguson, Befürworter der Regierungslinie "Zuhause bleiben, dem Gesundheitswesen helfen und Leben retten", traf sich offenbar während des Lockdowns mehrmals mit seiner Freundin in seinem Haus. Er selbst hatte das Covid-19-Virus schon gehabt und betrachtete sich als immun.

Der Gesundheitsminister zeigt sich empört

Aber Regeln sind Regeln, und der Daily Telegraph, der den Scoop in die Welt hinausblies, nannte Fergusons Handeln prompt "heuchlerisch". Dieser bedauerte, die Botschaft der Regierung unterminiert zu haben. Seine Geliebte hatte in einem Podcast davon gesprochen, der Lockdown sei eine Belastung für ihre Beziehung.

Gesundheitsminister Matt Hancock zeigte sich empört und forderte ein Verfahren gegen den Wissenschaftler. Er forderte die Polizei auf, sie solle sich mit dem Fall befassen. Scotland Yard hat allerdings mitgeteilt, man werde nicht gegen Ferguson ermitteln. Seine Universität stellte sich hinter den 51-Jährigen, dieser werde weiter mit seinem Team an den mathematischen Modellen arbeiten, die helfen, die Corona-Krise in den Griff zu bekommen.

Die Polizei in England und Wales hat bisher etwa 9000 Strafbefehle wegen Vergehen gegen die Kontaktsperre erteilt.

© SZ.de/jobr

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