bedeckt München

Contra Recht auf Suizidhilfe:Sterbehilfe-Service vermeiden

In dieser Debatte geht es nicht nur um die hochpersönliche Entscheidung eines Einzelnen. Wer Sterbehilfe zu einem normalen Angebot macht, quasi zu einer Krankenkassenleistung, etabliert Strukturen, die auch Menschen offenstehen, die vorher vielleicht nie daran gedacht hätten, sich umzubringen. Man sollte darum keinen Sterbehilfe-Service etablieren.

Andererseits ist es aber übertrieben, die derzeitigen Sterbehilfevereine strafrechtlich zu verbieten. Sie erreichen ohnehin nur sehr wenige Menschen. Unseriösen Schätzungen zufolge sind es jedes Jahr 200. Selbst wenn es doppelt so viele wären, blieben es wenige im Vergleich zu 10 000 Suiziden jährlich. Wer die Sterbehelfer verbietet, löst also das Problem der Suizide nicht. Dafür müsste man schon das Leid selbst bekämpfen.

Es gibt in Deutschland viel zu viel unnötiges Leid - am Lebensende und auch lange davor. Da sind die seelischen Qualen: Alte Menschen werden in den existenziellen Krisen, wie sie Krankheit oder der Umzug ins Heim auslösen können, oft allein gelassen. Bis vor wenigen Jahren verwehrten Krankenkassen ihnen sogar die Psychotherapie, galt sie doch ab einem gewissen Alter als wirkungslos.

Ermutigende Signale aus dem Bundestag

Und da ist körperliches Leid: Es ist ein Skandal, dass allenfalls ein Fünftel aller Sterbenden Zugang zu Palliativmedizin und Hospizhelfern hat, jenen Profis, deren Ziel genau das ist: die Angst und das Leid der Menschen zu lindern.

Es ist ermutigend, dass der Bundestag sich nun anschickt, das Leid am Lebensende zu lindern. In der Debatte am Donnerstag kam fast keine Rede ohne den Verweis auf die Palliativmedizin aus, die gestärkt werden solle. Und so könnten die Abgeordneten hier am Ende tatsächlich Großes bewirken. Dann wäre es fast schon egal, ob sie die organisierte Sterbehilfe verbieten oder nicht.

© Süddeutsche.de/gal/leja
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema