CDU-Parteitag Hochamt oder Requiem?

Früher war dieses Treffen bequem. Diesmal wird es ganz anders.

Von Heribert Prantl

Ach, wie war es denn vordem mit der CDU bequem: Vor fast jedem Parteitag konnte man schreiben, es sei wieder ein Hochamt in Vorbereitung - früher für Helmut Kohl, später für Angela Merkel. Die meisten dieser CDU-Parteitage waren Tage der großen Beweihräucherung. Gelegentlich klatschten sich die Delegierten aufkeimende Zweifel einfach aus dem Leib - und alles war wieder gut. So ist das diesmal nicht. Selten war ein CDU-Parteitag so spannend; alte Kämpen fühlen sich gar an den (dann gescheiterten) Revolutionsparteitag gegen Kohl in Bremen im Jahr 1989 erinnert.

Das ist sehr übertrieben, weil auch die schärfsten Kritiker von Merkels Flüchtlingspolitik nicht die Kanzlerin und Parteivorsitzende stürzen wollen. Aber das Ausmaß der Kritik auf dem bevorstehenden Parteitag in Karlsruhe wird die Zukunft der Partei prägen. Nie war für die CDU-Führung und für die amtierende Parteichefin die Vorparteitagsregie daher so wichtig wie diesmal vor dem Parteitag von Karlsruhe: Es ist sehr wichtig, wie der entscheidende Leitantrag lautet, auf dass der Parteitag für Merkel nicht aus den Fugen gerät. Fürs Erste sieht es so aus, als habe sich die Kanzlerin mit ihren Positionen zur Flüchtlingspolitik durchsetzen können. Die Vorparteitagsregie scheint in ihrem Sinne zu funktionieren.

Aber ein Parteitag läuft nicht immer so ab, wie es das Drehbuch will. Es gibt das Hochamt - und es gibt das Requiem.