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Bundeswehr in Afghanistan:Der Westen schweigt

Lange Jahre konnte man in Deutschland der Meinung sein, die Bundeswehr (und die anderen Armeen des Westens) seien dort, um die Taliban-Burka auszurotten und den Afghanen parlamentarische Wahlen und Usancen beizubringen. Jetzt aber ist hintereinander Folgendes passiert, ohne dass wir "Haltet den Dieb" geschrien hätten: Der Präsident des Landes hat die zweite Wahl gefälscht, die UN haben das dokumentiert. Aber weil es zu viele militärtaktische und logistische Schwierigkeiten verursacht hätte, wenn das Ausland darauf bestanden hätte, dass es sich um Wahlfälschung handelte, übersah man den kleinen Fehler und lädt den Wahlfälscher als Präsidenten überall weiter ein.

Der aber stellte das gewählte Parlament mit der Frauenquote kalt und vollzog seine exekutiv-legislativen Angelegenheiten nur noch mit der Loja Dschirga, der jahrhundertealten Ratsversammlung der Stammesgesellschaft. Auch hier hat die westliche Staatengemeinschaft den Schwanz eingezogen, sie sagt besser gar nichts.

Der Politikwissenschaftler Philipp Münch hat analysiert, "welche Art von Krieg die Bundeswehr in Badakhshan geführt hat"? Sein Ergebnis: Den Deutschen mangelte es in drastischer Weise an Informationen, sie verfolgten keine richtige Strategie. Die Deutschen versuchten im Gegensatz zu anderen Nationen nicht, die bestehenden Machtverhältnisse in ihrer Region zu verändern. Deshalb kam es sofort wieder zu Gewalt, als die Weltraumkapsel wieder abgehoben hatte. Im September 2013 können vier Distrikte in Badakhshan nur mit dem Helikopter erreicht werden, alle Straßen sind blockiert.

Was will eine Bundeswehr in Afghanistan, die so gar nichts tut - und wenn sie etwas tut, gibt es 140 Tote, die kaum beklagt werden, denn es sind ja nicht unsere Toten, und der Oberst wurde General? Es hat sich bei mir der Verdacht genährt, dass Heinrich Böll recht hatte: Wir Deutschen sollen so etwas gar nicht mehr haben. Nach dieser einzigartigen und nie mehr überbietbaren Tragödie des Zweiten Weltkriegs sollen wir keine Armee mehr haben. Wir sollen besser aus voller Kraft Hilfe leisten, humanitär, medizinisch und mit allem anderen.

Der Beitrag wurde von Rupert Neudeck verfasst. Neudeck, 74, ist Journalist. Er gründete 1979 das Komitee "Ein Schiff für Vietnam", aus dem 1982 die Hilfsorganisation Cap Anamur wurde. Seit 2003 engagiert er sich für die Organisation "Grünhelme".