Bundestagswahlkampf 2009 Rechte bedrohen SPD-Kandidat

Nach den NPD-Attacken auf einen thüringischen CDU-Politiker wird jetzt der sächsische SPD-Kandidat Henning Homann aus der rechten Szene angegriffen.

Nach den NPD-Attacken auf den dunkelhäutigen CDU-Wahlhelfer Zeca Schall in Thüringen schlägt jetzt Sachsens SPD Alarm. Ihr Landtagskandidat Henning Homann aus Döbeln und dessen Eltern seien seit geraumer Zeit Zielscheibe von tätlichen und verbalen Angriffen aus der rechten Szene, hieß es. Die Polizei sei eingeschaltet und ermittle, es gebe Sicherheitsmaßnahmen, sagte Homann in Dresden vor Journalisten.

"Ich lasse mich nicht einschüchtern": SPD-Politiker Henning Homann wird aus der rechten Szene angegriffen.

(Foto: Foto: dpa)

Die Partei vermutet, dass eine rechte Kameradschaft - unterstützt von der NPD - hinter den Aktionen steckt. Ähnlich hatten sich schon die Linken nach einem tätlichen Übergriff auf Wahlkampfhelfer in Dresden geäußert.

Er sei auf offener Straße gezielt bedroht worden, berichtete der Homann, der sich in verschiedenen Netzwerken gegen Rechts engagiert. Ende Juli habe ihn ein Moped-Fahrer zunächst als "Scheiß- Roter" beschimpft, sei ihm dann zum Auto gefolgt, auf ihn zugefahren und habe erst kurz vor ihm abgedreht. "Ich war starr vor Angst", sagte Homann. Beschädigte, beschmierte und abgehängte Wahlplakate ließen den Schluss zu, dass die Täter aus der rechten Szene kämen. Seit Donnerstag gebe es auch einen Zeugen dafür.

Homann vermutet, dass hinter den Aktionen die Neonazikameradschaft "Division Döbeln" steckt. Diese hatte auf ihrer Internetseite über "schwachsinnige Propaganda" in der Stadt berichtet, die von "Aktivisten" entfernt worden sei. "Damit können nur meine Plakate gemeint sein", sagte Homann und fügte hinzu: "Ich lasse mich nicht einschüchtern." Er wolle sich nicht in der Rolle eines Opfers sehen, machte Homann deutlich. Er gehe jetzt an die Öffentlichkeit, um anderen Mut zu machen, "denn es geht nicht nur um mich".

Gegen Hass und Gewalt

SPD-Landtagsfraktionschef Martin Dulig sagte, Hass und Gewalt in der politischen Auseinandersetzung dürften nicht hingenommen werden. "Die Partei, die das unterstützt, ist eindeutig die NPD." Die demokratischen Parteien seien in der Pflicht, sich gegen dieses flächendeckende Agieren von NPD und deren Helfern zur Wehr zu setzen. Er distanzierte sich zugleich von Attacken gegen die NPD, die in der Vergangenheit auch Übergriffe beklagt hatte. "Das gehört nicht in das Repertoire demokratischer Wahlkämpfer."

In Thüringen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die NPD wegen der Attacken gegen den CDU-Wahlhelfer Schall. Die CDU hatte Anzeige erstattet, nachdem der NPD-Wahlkampfleiter in einer Mitteilung angekündigt hatte, dass Schall in einem "Gespräch" von der NPD "zur Heimreise animiert" werden solle. Schall, der in Angola geboren wurde und deutscher Staatsbürger ist, steht unter Polizeischutz.