Joachim Gauck:Der linke Konservative

Ein Mann jenseits aller politischen Lager: Der Pastor, Bürgerrechtler und Stasi-Aufklärer Joachim Gauck bewegte Deutschland. Zur Wahl des Bundespräsidenten reichte es trotzdem nicht.

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SPD-Parteitag

Quelle: dpa

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Zu einem Bundespräsidenten Joachim Gauck hat es nicht gereicht - er unterlag dem schwarz-gelben Kandidaten Christian Wulff. Der Bürger Joachim Gauck ist jedoch gefragt wie wenige andere Politiker in Deutschland. Zuletzt redete er auf dem Parteitag der SPD in Berlin.

Wenn es nach dem Willen der Sozialdemokraten und ...

Sitzung des Parteivorstands der Gruenen mit Joachim Gauck

Quelle: ag.ddp

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... der Grünen gegangen wäre, dann wäre Joachim Gauck an Stelle von Christian Wulff in das Schloss Bellevue eingezogen. Die Mehrheit der Bundesversammlung durchkreuzte jedoch diesen Wunsch. Das stand aber auch schon vor der Bundespräsidentenwahl fest. Große Illusionen habe er nicht, tatsächlich gewählt zu werden, erklärte der 70-Jährige schon bei seiner Nominierung.

Mit den Parteivorsitzenden der Grünen, Cem Özdemir und Claudia Roth.

Joachim Gauck

Quelle: ap

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Ein ungewöhnlicher Kandidat war Joachim Gauck auf alle Fälle. Er nennt sich selbst einen "linken liberalen Konservativen" und einen "aufgeklärten Patrioten". Gauck ist ein Politiker, der über politische Grenzen hinweg agiert - das machte ihn für viele Deutsche interessant.

German presidential candidate Joachim Gauck delivers a speech in Berlin

Quelle: Reuters

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Joachim Gauck wurde 1940 in Rostock geboren. Sein Vater wurde für einige Jahre in ein sibirisches Lager deportiert. Später, als evangelischer Pfarrer erlebte Gauck, wie das Regime brutal gegen Kirchenmitglieder vorging. Als sich 1989 in der Bevölkerung der Widerstand gegen die DDR-Führung formierte, führte Gauck als Sprecher des Neuen Forums in Rostock Demonstrationen an.

Podiumsgespräch zum 70. Geburtstag von Joachim Gauck

Quelle: ag.dpa

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In dieser Zeit lernte er auch Angela Merkel kennen. "Wir mögen uns, aber wir sagen Sie zueinander", beschrieb Gauck kürzlich ihr persönliches Verhältnis. Zu seinem 70. Geburtstag im Januar (Bild) verbreitete die Kanzlerin noch wahre Hymnen auf Gauck. Er sei ein "Freiheitsdenker, Versöhner, Einheitsstifter und Demokratielehrer", sagte sie damals. Für das Amt des Bundespräsidenten schickte sie dennoch den niedersächsischen Ministerpräsidenten und CDU-Vize  Christian Wulff ins Rennen.

Mit Angela Merkels Ehemann Joachim Sauer (links).

GAUCK UND THIERSE BESUCHT GAUCK-BEHÖRDE

Quelle: ag.dpa

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Bis vor kurzem war Gaucks Name vor allem mit der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit verknüpft. Von 1990 bis 2000 leitete der frühere Pastor die nach ihm benannte Stasiunterlagen-Behörde. In dieser Zeit war er das bekannteste Gesicht der DDR-Demokratiebewegung.

Mit Papierresten ehemaliger Stasiakten: Joachim Gauck und der damalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse im Dezember 1998.

REVEREND JOACHIM GAUCK ADDRESSES PARLIAMENT IN BERLIN

Quelle: ag.rtr

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Danach wurden ihm verschiedene politische Ämter angeboten - er lehnte ab. Als brillanter Redner war Gauck im In- und Ausland aber weiter gefragt.

Joachim Gauck spricht am 9. November 1999, dem 10. Jahrestags des Mauerfalls, im Bundestag. Joschka Fischer und Gerhard Schröder hören zu.

German presidential candidate Joachim Gauck sits next to his partner Daniela Schadt before his speech in Berlin

Quelle: rtr

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Anfang 1990 trennte sich Gauck von seiner Ehefrau. Drei seiner vier Kinder waren schon vor der Wende aus der DDR in den Westen ausgereist. Joachim Gauck lebt heute mit der Journalistin Daniela Schadt (Bild) zusammen.

Pro-Gauck Demonstration

Quelle: dpa

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Die Sympathiewoge, die ihn in den Wochen vor der Wahl trug, machte den meist wortmächtigen Joachim Gauck zeitweise sprachlos. Es gab Demonstrationen für seine Wahl zum Bundespräsidenten, seine Facebook-Seite zählte mehr als 32.000 Unterstützer. Dennoch genügten die Sympathien im Volk nicht für einen Wahlsieg. Im dritten Wahlgang erhielt Kontrahent Wulff die Stimmen von 625 Delegierten, Gauck bekam 494 Stimmen.

Pro-Gauck Demonstration, am 14. Juni 2010 in Berlin.

© sueddeutsche.de/liv
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