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Bundeskriminalamt und NS-Geschichte:Boeden machte nach dem Krieg im BKA Karriere

Im BKA pflegten nach dem Krieg viele Beamte nicht nur den alten Nazi-Jargon. Sie bekämpften weiterhin erbittert Kommunisten, Sinti und Roma und "Berufsverbrecher". Selbst bei rechtsstaatlich sauberen Aktionen mussten sich die NS-Opfer verhöhnt fühlen, wenn frühere Gestapo-Männer in der Bundesrepublik wieder die Ermittlungen führen durften.

Gerhard Boeden, der vor zwei Jahren im Alter von 85 Jahren starb, war dagegen lediglich als 14-Jähriger Mitglied der Hitlerjugend geworden. Weitere Berührungen mit den Nationalsozialisten sind nicht bekannt. Nach dem Krieg machte er im BKA Karriere, bei vielen Polizisten war er als jovialer Kollege, Gewerkschafter und Chef beliebt.

Unumstritten war auch Gerhard Boeden jedoch nicht. In der Spiegel-Affäre 1962, als Verteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU) rabiat gegen Journalisten vorging, spielten weder Dickopf noch Boeden eine rühmliche Rolle. Dickopf leitete auf kleinem Dienstweg die Verhaftung eines im Ausland befindlichen Redakteurs in die Wege. Und Boeden war es, der dem Chefredakteur in Hamburg den Durchsuchungsbefehl präsentierte.

In den siebziger Jahren lernten die Bürger Gerhard Boeden dann als energischen, aber nicht immer erfolgreichen Kämpfer gegen die RAF kennen. Nach mehreren Pannen musste Boeden 1978 seinen Platz in der Abteilung Terrorbekämpfung räumen, nachdem seinen Beamten drei RAF-Terroristen entwischt waren. Boeden habe wieder mal "Scheiße gebaut", soll der damalige BKA-Chef, Horst Herold, gesagt haben.

Das hat Boeden langfristig aber nicht geschadet. Der "abgehalfterte Terroristenjäger" fiel weiter die Treppe hoch, schrieb damals der Spiegel. Von 1983 bis 1987 gehörte Gerhard Boeden als Vizepräsident zur BKA-Spitze. In Meckenheim war er eine lokale Größe der CDU und kommunalpolitisch aktiv. Auch deshalb ließ sich die Stadt gern darauf ein, eine Straße nach ihm zu benennen.

© SZ vom 25.06.2012/fran

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