Bundeskanzlerin Merkels Nachfolgedebatte ist eröffnet - und beendet

Angela Merkel Von "Kohls Mädchen" zur Dauerkanzlerin Bilder

Angela Merkel

Von "Kohls Mädchen" zur Dauerkanzlerin

Bodenständig, verlässlich, solide. Ein simples "Sie kennen mich" reichte Angela Merkel 2013 zur Wiederwahl. Ob es 2017 wieder reicht, wird sich zeigen. Ihr Werdegang in Bildern.

Im September will Angela Merkel ein drittes Mal Bundeskanzlerin werden. Und im Jahr 2015 dann von diesem Amt zurücktreten, mutmaßt ein Buchautor. Das Dementi folgt prompt.

Von Nico Fried und Susanne Höll, Berlin

Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments und Sozialdemokrat, war erkennbar erbaut. In dem Buch "Die Zauder-Künstlerin" des Bild-Journalisten Nikolaus Blome, das von Angela Merkel handelt und von Schulz am Montag in Berlin vorgestellt wurde, spekuliert der Autor anhand von Indizien und Äußerungen Merkels im kleinen Kreis über einen freiwilligen Abgang der Kanzlerin im Jahr 2015. Da wäre sie dann 60, vom 17. Juli an sogar 61 Jahre alt und seit gut zehn Jahren im Amt - natürlich immer vorausgesetzt, sie wird in diesem Jahr überhaupt noch mal zur Kanzlerin gewählt.

Mit solchen Kautelen hielt sich Schulz, der qua Parteizugehörigkeit gar nicht an eine Wiederwahl Merkels glauben dürfte, nicht lange auf: Völlig unabhängig vom Wahlergebnis, so Schulz, sei nun "die Nachfolgedebatte eröffnet". Und die Frage, ob der Kandidat oder die Kandidatin für eine ganze Legislaturperiode zur Verfügung stehe, "gehört selbstverständlich in einen Wahlkampf", dekretierte Schulz, der sich davon offenbar eine Schwächung Merkels erhofft.

Merkel zaudert - nicht

Schulz hat als Parlamentspräsident immer mal wieder mit Merkel zu tun. Er schätzt an ihr Humor und Verbindlichkeit, wird aber auch nicht müde, ihre Europa-Politik zumindest in Teilen als völlig verkehrt zu geißeln. Man kennt sich jedenfalls von manchem EU-Gipfel und einigen Gesprächen im kleineren Kreis - allerdings nicht gut genug, wie sich am Montag herausstellte. Schulz prophezeite nämlich, dass die Kanzlerin auch bei diesem Thema erst einmal zaudern und erklären lassen werde, die Frage nach einem früheren Ausscheiden stelle sich gar nicht. Erst, wenn die Angelegenheit richtig in Fahrt gekommen sei, werde sie mitteilen, dass sie natürlich vier weitere Jahre im Kanzleramt bleiben wolle.

In der Bundespressekonferenz, Luftlinie keine 300 Meter entfernt vom Ort der Buchvorstellung, sagte zur selben Zeit Regierungssprecher Steffen Seibert ohne Zögern: "Die Bundeskanzlerin tritt bei der Bundestagswahl selbstverständlich für eine volle Amtszeit an." Die Auskunft Seiberts deckt sich auch mit Aussagen aus dem Kanzleramt, die von der Journalistin Evelyn Roll bereits zwei Wochen vor der Veröffentlichung von Blomes Theorie in der Süddeutschen Zeitung aufgeschrieben worden waren - denenzufolge Merkel auch nicht nach anderen Ämtern strebe, zum Beispiel in Europa. Das wiederum wird Martin Schulz, der gerne Kommissionspräsident werden möchte, auch gefreut haben.