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Bundesfreiwilligendienst:Giffey will Freiwilligen mehr zahlen

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey

(Foto: Claus Schunk)
  • Bundesfamilienministerin Giffey will Teilnehmer des Bundesfreiwilligendienstes besser bezahlen.
  • Damit soll es auch jungen Menschen aus ärmeren Familien möglich sein, sich freiwillig zu engagieren.
  • Die SPD-Politikerin kritisiert zudem eine Verrohung der Sprache in der Politik - auch in den eigenen Reihen.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey möchte junge Leute aus finanzschwachen Elternhäusern besser bezahlen, wenn sie sich in Freiwilligendiensten engagieren. "Wir prüfen, ob wir denen finanziell unter die Arme greifen können, die sonst nicht teilnehmen könnten", sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke- Mediengruppe.

Teilnehmer von Freiwilligendiensten bekommen derzeit in der Regel nur ein Taschengeld von bis zu 390 Euro pro Monat. Deswegen könnten sich das derzeit vorwiegend junge Menschen aus gut situierten Elternhäusern leisten, erklärte Giffey. Viele andere dagegen müssten möglichst schnell ihr eigenes Geld verdienen. "Ich will, dass alle, die sich engagieren wollen, das auch können."

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Sie finde es richtig, wenn sich junge Leute für ein Jahr verpflichten, sagte Giffey. Einer staatlichen Dienstpflicht für alle Schulabgänger, wie sie CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer ins Gespräch gebracht hatte, stünden jedoch hohe verfassungsrechtliche Hürden entgegen. "Ich will deshalb den Freiwilligendienst ausbauen. Es geht um Anreize und gute Bedingungen statt Zwang."

Freiwilliges Engagement sei unverzichtbar bei der Aufgabe, die Demokratie zu verteidigen, sagte die Politikerin. In Kürze werde sie ein Konzept zur Reform der Freiwilligendienste vorlegen. Neben einer finanziellen Unterstützung gehe es dabei auch um die Möglichkeit, den Freiwilligendienst in Zukunft in Teilzeit leisten zu können. Giffey hatte bereits angekündigt, den Bundesfreiwilligendienst attraktiver machen zu wollen.

Kritik an Seehofer und Schulz

Die Familienministerin beklagte zudem einen sprachlichen Niveauverfall der Politik. "Was ich an vielen Stellen erlebe, ist eine Polarisierung und Verrohung der Sprache", sagte sie. Dabei kritisierte sie sowohl CSU-Chef Horst Seehofer für seinen Satz, die Migrationsfrage sei die "Mutter aller Probleme", als auch den früheren SPD-Vorsitzenden Martin Schulz wegen seiner Bemerkung, AfD-Chef Alexander Gauland gehöre auf den "Misthaufen" der deutschen Geschichte.

Über Schulz sagt sie, sie teile seine Kritik an Gauland zwar inhaltlich. Aber: "Egal wie verroht und niveaulos sich andere ausdrücken, wir müssen auf unsere Sprache achten. Menschen gehören nicht auf den Misthaufen", sagte sie. "Je niveauloser andere werden, desto mehr Niveau müssen wir beweisen."

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