Bürgermeisterwahl in Kiew:Dritte Runde für Klitschko

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Ukraine's Vitali Klitschko arrives outside the Convention Centre where the European People's Party (EPP) Elections Congress is taking place in Dublin

Vitali Klitschko: Der ehemalige Boxer will Bürgermeister in Kiew werden - mindestens.

(Foto: Reuters)

In der Ukraine soll am Sonntag ein neuer Präsident gewählt werden - und in Kiew ein neuer Bürgermeister. Das Amt will Vitali Klitschko einnehmen, seine Chancen sind exzellent. Der Ex-Boxer will die Korruption im Verwaltungsapparat bekämpfen. Doch eigentlich verfolgt er ein größeres Ziel.

Von Cathrin Kahlweit

Anfang der Woche sprach Vitali Klitschko vor Kämpfern in Uniform, es waren, sozusagen, grüne Männchen der anderen Art: Soldaten des blutigen, lange vergangenen Afghanistankriegs. Einer der Veteranen erzählte, wie er auf dem Maidan zusammengebrochen und ins Koma gefallen sei. Die Ärzte hätten ihm nur noch Stunden gegeben - und einer der ersten, der sich um ihn gekümmert habe, sei Klitschko gewesen. Jubel bricht aus.

Es ist Präsidentschaftswahlkampf in der Ukraine - und Kommunalwahlkampf in Kiew. Klitschko will Bürgermeister der Hauptstadt werden, einer Stadt, in der sich Revolutionsnostalgie und Angst vor der Zukunft mischen. Im Winter, als er auf der Bühne des Euro-Maidan fast täglich vor Tausenden reden musste, hatte er noch Mühe, das Pathos herzustellen, nach dem die Demonstranten damals gierten.

Er hat dazugelernt: "Ich sehe viele bekannte Gesichter hier, mit denen ich schon Schulter an Schulter auf dem Maidan gestanden habe", rief Klitschko in den Saal. "Trotz vieler eisiger Nächte und der Schlagstöcke der Polizei, trotz Lebensgefahr habt ihr, wie schon in Afghanistan, eure Bürgerpflicht getan." Aber das sei nur der Anfang gewesen. Der schwerste Teil komme noch.

Klitschko hat schon zweimal verloren

Der schwerste Teil - das sind die langfristigen Reformen nach dem spontanen Aufstand und nach der Doppelwahl am 25. Mai. Monatelang hatte Klitschko als Anwärter für das Präsidentenamt gegolten, hatte - auch dadurch - in der Ukraine an Popularität gewonnen und war vom Westen als maßgeblicher Oppositionsführer hofiert worden. Doch in Umfragen brachte er es nur auf den dritten Platz.

Ende März schlug er eine Volte: Er zog die Kandidatur für das Staatsamt zurück und bewarb sich stattdessen in Kiew. Für dieses Amt hatte er bereits zweimal kandidiert, zweimal verloren, nun soll es einen dritten Anlauf geben. Seine Chancen sind exzellent, nach jüngsten Umfragen liegt er bei knapp 40 Prozent der Stimmen in der Hauptstadt.

Offiziell begründete er Rückzug und Selbstbescheidung damit, dass die demokratische Opposition einen gemeinsamen Kandidaten brauche, und kündigte an, den Oligarchen Petro Poroschenko zu unterstützen. Der wiederum hatte schon während des Volksaufstands Klitschko und dessen Udar-Partei den Rücken gestärkt.

Gemeinsam mit Klitschko war er auf der Münchner Sicherheitskonferenz aufgetaucht. Und gemeinsam waren die beiden auch in Wien bei dem Gasmagnaten Dmitri Firtasch, gegen den ein Haftbefehl aus den USA wegen Bestechung und Korruption vorliegt. Firtasch sitzt deswegen in Österreich fest. Was die drei Männer besprochen haben, ist nicht bekannt. Ukrainische Medien mutmaßen, dass Firtasch die beiden unterstützt, um seine Geschäfte in der Ukraine weiterbetreiben zu können.

Poroschenko und Klitschko - das ist also vermutlich am 25. Mai das Winning Team. Die beiden haben eine gemeinsame Kampagne verabredet, auch die Plakate ähneln sich.

Der Ex-Boxer konzentriert sich auf die Themen Korruption und deren Bekämpfung. Er wolle in Kiew die Verwaltung auf den Prüfstand stellen, damit in Zukunft jeder Bürger wisse, wohin sein Geld fließe. Aber es gilt als ausgemacht, dass sein Ziel nach der nächsten Wahl ein anderes, größeres ist. Klitschko als Präsident, das ist sein Traum.

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