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Bürgerkrieg in Syrien:IS entführt Dutzende Christen

  • IS-Kämpfer sollen im Nordosten Syriens mindestens 90 assyrische Christen entführt haben.
  • Seit Tagen kommt es in der Region zu heftigen Kämpfen zwischen der Terrormiliz Islamischer Staat und kurdischen Kämpfern, dabei wurden mehrere christliche Dörfer vom IS angegriffen.
  • Zahlreiche Menschen sind vor den Kämpfen geflohen.

IS entführt mindestens 90 assyrische Christen

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat im Nordosten Syriens nach Angaben von Aktivisten mindestens 90 assyrische Christen verschleppt. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, wurden die Menschen aus den Ortschaften Tal Schamiram und Tal Hermus in der Provinz Hassaka entführt.

Wohin die Dschihadisten die Christen gebracht haben, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, nicht. Seine in Großbritannien ansässige Organisation stützt sich auf ein Netz von Informanten in Syrien. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden.

Mehrere Kirchen angezündet

Die assyrische Nachrichtenagentur Aina berichtet, der IS habe in der Region mehrere Kirchen angezündet. In dem Gebiet kommt es seit Montagmorgen zu heftigen Kämpfen zwischen den Extremisten und kurdischen Einheiten, die die Region bislang unter Kontrolle hatten.

Die Terrormiliz hatte dort mehrere Dörfer eingekommen, in denen mehrheitlich assyrische Christen wohnen. Zahlreiche Menschen seien vor den Extremisten geflohen. Große Teile der Provinz Hassaka werden teils von kurdischen Milizen, teils von IS-Kämpfern kontrolliert.

Kurdische Verbände sind auf Vormarsch

Seit einigen Tagen sind die syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) auf dem Vormarsch. Ihr Ziel ist es, die Ortschaft Tal Hamis einzunehmen. Sie befindet sich in der Gewalt der IS-Dschihadisten und ist Luftangriffen der von den USA geführten Anti-IS-Koalition ausgesetzt. Dabei wurden laut Beobachtungsstelle 14 Dschihadisten getötet.

Die assyrischen Christen machen etwa fünf Prozent der Bevölkerung Syriens aus. Der UN-Menschenrechtsrat hatte den IS-Extremisten am Montag in einem Bericht vorgeworfen, sie griffen systematisch Angehörige bestimmter ethnischer und religiöser Gruppierungen an, um sie zu vernichten. Dazu gehörten Jesiden, Kurden, Turkmenen und Christen. Die Bluttaten der IS-Terrormiliz im Irak erfüllen nach Einschätzung der UN-Experten wahrscheinlich den Tatbestand des Völkermords.