Bürgerkrieg in Syrien:Alle gegen alle

Lesezeit: 3 min

Bürgerkrieg in Syrien: Ein syrischer Soldat mit einem Maschinengewehr in der von Christen bewohnten Stadt Maalula

Ein syrischer Soldat mit einem Maschinengewehr in der von Christen bewohnten Stadt Maalula

(Foto: AFP)

Übrigens: Während die Diplomaten überall auf der Welt über syrisches Giftgas diskutieren, herrscht im Land weiter Krieg, der täglich viele Leben kostet. Ob Assad nun seine Chemiewaffen abgibt oder nicht, ob die USA ihn angreifen oder nicht, am Status quo wird niemand etwas ändern können - oder wollen.

Ein Kommentar von Sonja Zekri, Kairo

Der Krieg bleibt aus, vorerst. Die USA können Syrien nicht bombardieren, solange Russland bei seinem Verbündeten in Damaskus an der Übergabe der Chemiewaffen arbeitet. Groß ist die Erleichterung. Amerika und Russland sind sich plötzlich so nahe wie lange nicht, der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen bekommt Auftrieb. Auch für Angela Merkel fällt bestimmt etwas ab. Bundeskanzler kommen mit vermiedenen Kriegen besser zurecht als mit geführten.

Nur: Es wird ja bereits Krieg geführt in Syrien, und das mit internationaler Beteiligung. Tschetschenen, Afghanen, Deutsche - sie alle sind im Einsatz, meist unter der schwarzen Flagge der Islamisten. Es ist ein Krieg, dessen Bilder unerträglich waren, lange bevor die zuckenden Sarin-Opfer die Welt entsetzten.

Gewiss, in einer idealen Welt würde die Chemiewaffen-Frage einen politischen Prozess eröffnen. Russland und Amerika würden an einem Strang ziehen. In Damaskus würden die schlimmsten Schlächter - vor allem Präsident Assad und sein Bruder Maher - gegen eine konziliantere Führung ausgetauscht. Die Exil-Opposition in ihren Istanbuler Hotels würde dies ebenso akzeptieren wie die Kämpfer in Homs und Hama. Ernsthafte Verhandlungen brächten schließlich eine Einigung. Am Ende würden sich alle verbünden und die Dschihadisten vertreiben. Das sind sehr viele Konjunktive. Man hat schon von Völkern gehört, die in einen Krieg stolpern, aber in einen Frieden?

Nichts ändert sich

Wahrscheinlicher ist, dass das Töten weitergeht, wenn auch ohne Chemiewaffen. Assad ist als Verhandlungspartner der Weltgemeinschaft überraschend rehabilitiert. Je länger die Gespräche über seine Senfgas-Depots dauern, desto schwieriger wird es, ihn wieder abzustoßen. Seine Scud-Raketen und Kampfflugzeuge kann er inzwischen weiter fliegen lassen. Nichts ändert sich.

Eine solche Änderung möchte außer ein paar Millionen Syrern eigentlich auch niemand; nicht durch die Chemiewaffen-Debatte und nicht durch einen Militärschlag. Da waren die Erläuterungen von US-Präsident Barack Obama dankenswert deutlich: Ein Militärschlag solle auf keinen Fall einen Regimewechsel nach sich ziehen, vielmehr gehe es darum, internationale Standards zu verteidigen und Amerikas Worten Taten folgen zu lassen, vor allem mit Blick auf das iranische Atomprogramm. Nach zweieinhalbjähriger Debatte über ein westliches Engagement in Syrien ringt sich also der Westen zu etwas Einsatz durch. Nur mit Syrien hat er nichts zu tun.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema