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Bürgerschaftswahl:Das sind die Bremer Spitzenkandidaten

Erstmals könnte bei der Bremer Bürgerschaftswahl nicht die SPD vorne liegen. Gegen den Oberbürgermeister treten unter anderem ein Software-Unternehmer, eine Hobby-Imkerin und ein durch eine Kopfwunde bekannt gewordener AfD-Politiker an.

Von Zita Zengerling

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Carsten Sieling, 60, SPD

Carsten Sieling, mayor of Bremen and Germany's Social Democrats (SPD) top candidate takes part in an election campaign in Bremen

Quelle: Fabian Bimmer/Reuters

Carsten Sieling ist seit 2015 Oberbürgermeister von Bremen und steht damit ganz in der Tradition des kleinsten Bundeslandes: Seit Ende des Krieges hat hier durchgehend die SPD regiert, darunter prägende Sozialdemokraten wie Wilhelm Kaisen, Hans Koschnick und Henning Scherf. Doch Sieling könnte auch der letzte in der Reihe sein. Bereits bei der letzten Bürgerschaftswahl 2015 hatte die SPD eine historische Niederlage verzeichnet, aktuelle Umfragen sehen sie knapp hinter der CDU. Für die aktuelle rot-grüne Koalition dürfte es nicht mehr reichen. Um den SPD-Usus in Bremen aufrecht zu erhalten, würde Sieling wohl mit den Linken koalieren. Eine große Koalition wäre für ihn nur eine Notlösung.

Sieling setzte im Wahlkampf vor allem auf die Themen Bildung, Wohnen und Soziales und auf seine lange Erfahrung. Seit 1978 ist der Oberbürgermeister Mitglied der SPD, war bereits in den 90ern Chef der Bremer Sozialdemokraten und, bevor er Bürgermeister wurde, Sprecher der Parlamentarischen Linken im Bundestag. Im Wahlkampf erlebte man Sieling ungewohnt kämpferisch. Seinem Hauptkonkurrenten, Software-Unternehmer Meyer-Herder, riet er bei einer Wahlsendung: "Schuster, bleib bei deinen Leisten."

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Carsten Meyer-Heder, 58, CDU

Wahl Bremen

Quelle: dpa

Erst etwas länger als ein Jahr ist Carsten Meyer-Heder CDU-Mitglied. Trotzdem wurde der Softwareentwickler und IT-Unternehmer mit 100 Prozent auf Listenplatz eins seiner Partei gewählt. Als Journalisten von Radio Bremen Meyer-Heder die Frage stellten, ob er sich als Quereinsteiger denn gut genug auskenne, antwortete er, er wolle ja "ehrlich gesagt nur Bürgermeister werden." Dabei müsse man vor allem führen können. Meyer-Heder gab sich im Wahlkampf bürgernah, betont gerne, dass er kein Politiker, sondern Unternehmer sei und sagte im TV, er mache sich "permanent Sorgen, etwas falsch zu machen".

Das Wahlprogramm seiner Partei konzentriert sich vor allem auf Bildung, Digitalisierung und Mobilität. Als erste Amtshandlung wolle er alle Erzieher zu sich ins Rathaus einladen, so Meyer-Herder bei Radio Bremen. Das könnte zum Beispiel geschehen, wenn sich CDU, FDP und Grüne nach der Wahl auf eine Jamaika-Koalition einigen.

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Maike Schaefer, 47, Die Grünen

Grüne-Fraktionschefin Bremen Maike Schaefer

Quelle: ; Elisa Meyer

Die Grünen könnten bei dieser Wahl also zum Königsmacher werden, denn den aktuellen Umfrage-Werten zufolge wären sowohl ein rot-rot-grünes Bündnis als auch Jamaika möglich. Bremen war das erste Bundesland, in dem eine grüne Partei je ins Parlament einzog und bis heute gilt das Land als grüne Hochburg. Trotzdem besteht für das seit 2007 regierende Bündnis mit der SPD kaum eine Chance, was aber vor allem an der Schwäche der Sozialdemokraten liegt. Spitzenkandidatin Maike Schaefer, bisher Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Bürgerschaft, kann mit einem Wahlerfolg rechnen.

Die promovierte Umweltforscherin und Freizeit-Imkerin setzte im Wahlkampf vor allem auf Umweltthemen, auch Bildung, Wirtschaft und Soziales stehen im Mittelpunkt ihres Wahlprogramms. Als sie im Radio gefragt wurde, was sie machen würde, wenn sie aus der Wahl überraschend als Bürgermeisterin hervorgehe, antwortete Schaefer, dann müsse sie erst einmal tief Luft holen.

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Kristina Vogt, 53, Die Linke

Live-Talk Spitzenkandidaten Bürgerschaftsparteien Bremen

Quelle: dpa

Kristina Vogt ist gebürtige Münsteranerin, arbeitet seit 2011 als Abgeordnete in der Bremer Bürgerschaft und leitet ihre Fraktion genauso lange. Falls es zu einem rot-rot-grünen Bündnis kommt, fordert Vogt dabei zwei Ressorts für ihre Partei. Es wäre das erste Mal, dass die Linken in einem westdeutschen Bundesland an der Regierung beteiligt ist.

Eigentlich ist die Spitzenkandidatin gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte, hat aber auch schon eine Kneipe besessen. Im Mittelpunkt ihres Wahlkampfs standen vor allem Stadtentwicklung, Bildungs- und Wirtschaftsthemen.

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Frank Magnitz, 66, AfD

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Quelle: AP

Mit vier Sitzen zog die Alternative für Deutschland bei der letzten Wahl in die Bürgerschaft ein, übrig geblieben ist, nach heftigen Streitereien in der Fraktion, ein einziger Abgeordneter. Spitzenkandidat Frank Magnitz sitzt aktuell nicht in Bremen, sondern im Bundestag in Berlin. Obwohl die Bremer AfD seit Anfang des Jahres vom Verfassungsschutz geprüft wird, kann Magnitz bei dieser Wahl mit deutlichen Gewinnen für seine Partei rechnen. Im Wahlkampf setzte er besonders auf die Themen Innere Sicherheit und Zuwanderung.

Der Spitzenkandidat wurde Anfang des Jahres bundesweit bekannt, als drei Männer ihn auf offener Straße bewusstlos schlugen und schwer verletzten. Magnitz gilt als Vertreter des rechten AfD-Parteiflügels um Björn Höcke. Während seines Jura-Studiums war er allerdings für kurze Zeit Mitglied der DKP. Für Magnitz kein Widerspruch: "Wenn man oft genug rechts abbiegt, kommt man links wieder raus."

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Lencke Steiner, 33, FDP

Wahl Bremen

Quelle: dpa

2015 jubelte Lencke Steiner noch über über die Rückkehr ihrer FDP in die Bremer Bürgerschaft. Vier Jahre später träumt sie von einer Regierung mit "karibischem Flair", wie sie in einer Fernsehsendung sagte.

Bekannt ist Steiner eher nicht wegen ihres schnellen politischen Aufstiegs, sondern aus dem Fernsehen: Zwei Jahre lang war die Diplom-Kauffrau als Jury-Mitglied bei der TV-Show "Die Höhle des Löwen" zu sehen. Dann ging sie in die Politik. Erst am Wahlabend 2015 trat sie in die FDP ein, die sie schon damals als Spitzenkandidatin anführte, bald danach wurde sie in den Bundesvorstand der FDP gewählt. Zuvor sei sie überhaupt nicht politisch aktiv gewesen, sagte Steiner bei Radio Bremen, "ich habe mich auch nicht politisch interessiert. Mir fehlte ein bisschen der Hintergrund, ich habe das nicht verstanden". Das hat sich geändert. Nach knapp vier Jahren FDP würde sie sich mittlerweile in einer Jamaika-Koalition die Leitung des Wirtschaftsressorts zutrauen.

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Hinrich Lührssen, 50, BiW

Live-Talk Spitzenkandidaten Bürgerschaftsparteien Bremen

Quelle: dpa

Im Juni 2018 trat der Journalist in die AfD ein und wurde kurz darauf in den Vorstand berufen. Nachdem er die Wahl zum Spitzenkandidaten der AfD aber gegen Frank Magnitz verlor, trat er im Februar 2019 gleich wieder aus und wurde Teil der rechtspopulistische Wählervereinigung Bürger in Wut (BiW), für die er als Spitzenkandidat antritt. Die BiW ist aktuell mit einem Sitz in der Bürgerschaft vertreten (was auch dem besonderen Wahlsystem in Bremen und Bremerhaven geschuldet ist). Bei dieser Wahl werden ihr aber nur geringe Chancen zum erneuten Einzug ausgerechnet.

Die Bremer Bürgerschaftswahl findet am 26. Mai zeitgleich mit der Europawahl statt. Insgesamt stehen 16 Parteien und Wählergemeinschaften zur Wahl. Für was sie stehen, zeigt unter anderem der Wahl-O-Mat.

© SZ.de/zmz/jsa/ghe

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