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BND:Im Blick

Der Dienst soll in Berlin transparenter werden.

Bei seinem neuen Dienstsitz ist der Bundesnachrichtendienst (BND) freigiebig wie selten mit Informationen: 100 000 Umzugskartons waren nötig, um die 58 000 Möbelstücke von Pullach nach Berlin zu bringen. 20 000 Kilometer Glasfaserkabel wurden verlegt. Und nicht nur Infos gibt es, demnächst lässt sich der BND sogar besuchen: ohne Anmeldung kann man ins Besucherzentrum marschieren, Fragen stellen und die neuesten BND-Souvenirs kaufen. Früher gab es mal Unterhosen mit dem Aufdruck: "Nur für den Dienstgebrauch" - unter Kennern beliebt, denn so werden vertrauliche Papiere gestempelt. Wer weiß, was sich die Werber des Nachrichtendienstes für den neuen Shop ausdenken.

Aber natürlich hat das alles nichts mit der eigentlichen Aufgabe des BND zu tun. Die wird bei aller zur Schau gestellten Transparenz so geheim bleiben wie eh und je. Aber der Dienst wird in Berlin nicht mehr so abgeschieden arbeiten können wie in Pullach. Dort waren sich die Spione oft selbst genug. Was die dort oben in Bonn und später in Berlin taten, war ihnen herzlich egal. Eine Reihe an Skandalen war die Folge.

Der BND hat sich schon jetzt verändert. Er will Dienstleister der Regierung sein, neue Gefahren erkennen und Entscheidungen durch Wissen untermauern. Dafür ist man besser nah dran am Auftraggeber - und so auch stärker im Blick der Kontrolleure von Regierung und Parlament. Solche Transparenz ist wichtiger als das schönste Besucherzentrum.

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