Bestechungsprozess in Italien Berlusconi lästert über höchste Anwaltskosten "im ganzen Sonnensystem"

Am Samstag soll im Bestechungsprozess gegen Silvio Berlusconi das Urteil fallen. Die Staatsanwaltschaft fordert fünf Jahre Haft für den ehemaligen Ministerpräsidenten Italiens, seine Anwälte plädieren auf Freispruch. Der 75-Jährige sieht sich weiterhin von der Justiz verfolgt - und lässt sich über die hohen Kosten der Prozesse aus.

Von Andrea Bachstein

Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi zeigte sich dieser Woche bester Dinge, nachdem er bei Premier Mario Monti zum Mittagessen gewesen war. Bei Tisch, so wird berichtet, habe er seinem Nachfolger Komplimente für die Regierungsarbeit gemacht, die er selber unterlassen hatte. Er wünschte Monti sogar, dieser möge ruhig noch über das Ende der Legislaturperiode 2013 hinaus amtieren.

Ein Mitarbeiter von Silvio Berlusconi soll den britischen Anwalt David Mills mit 600.000 Dollar bestochen haben.

(Foto: AFP)

Berlusconi hat aber auch ein Thema angesprochen, das ihm an diesem Samstag möglicherweise alles andere als gute Laune bereiten wird. Jetzt nämlich soll das Urteil im Mills-Prozess in Mailand fallen, in dem Berlusconi wegen Bestechung angeklagt ist. Sein letzter Versuch, dies abzuwenden, ist am Mittwoch gescheitert, als das Mailänder Appellationsgericht einen Befangenheitsantrag gegen die Richter abwies.

Fünf Jahre Haft für Berlusconi hat der Staatsanwalt vergangene Woche gefordert, seine Anwälte verlangen Freispruch. 600.000 Dollar hatte ein Mitarbeiter Berlusconis im Jahr 2000 dem britischen Anwalt David Mills auf ein Schweizer Konto geschickt - als Dank dafür, dass dieser in den neunziger Jahren vor Gericht falsche Angaben über Off- Shore-Geschäfte von Berlusconis Konzernholding Fininvest gemacht hatte. Der Anwalt ist deshalb in Mailand in zwei Instanzen zu viereinhalb Jahren verurteilt worden. Er blieb aber auf freiem Fuß, weil das Kassationsgericht in Rom 2010 die Verjährung seiner Taten feststellte - ohne seine Schuld in Frage zu stellen.

Beim Mittagessen mit Monti soll Berlusconi sein Lieblingsthema ausgebreitet haben: "die Verfolgung durch die Justiz", der er sich, selbstverständlich völlig zu Unrecht, ausgesetzt sieht. Auf diese angebliche "Verfolgung" geht auch eine Mitteilung ein, die er am Freitag von seinem Sprecher verbreiten ließ: 100 Prozesse seien gegen ihn geführt worden. 900 Staatsanwälte und Richter hätten sich mit ihm und seinen Medienunternehmen befasst. Das habe mehr als 400 Millionen Euro Anwaltskosten verursacht. "Rekorde", seien das, "nicht nur auf weltweitem, ja universalem Niveau, sondern im ganzen Sonnensystem".

David Mills, so heißt es in Berlusconis Statement, sei nur einer von vielen Anwälten gewesen, die im Ausland gelegentlich für Fininvest tätig gewesen seien, "und ich erinnere mich nicht, ihn je kennengelernt zu haben". Die Geschichte der Schenkung von 600.000 Dollar habe Mills nur erfunden, um in Großbritannien Steuern zu sparen.

Der Anwalt gilt als Spezialist für Off-Shore-Firmen in Steuerparadiesen. Um Hunderte Milliarden Lire ging es bei Fininvest, die in Schwarzgeldfonds vor dem Fiskus verborgen werden sollten. Wenn der Mills-Prozess zu Ende ist, wird Berlusconi es noch immer mit drei Verfahren in Mailand zu tun haben. Zwei betreffen seine Unternehmen, im dritten, dem Ruby-Prozess, ist er wegen Amtsmissbrauchs und Prostitution Minderjähriger angeklagt.