Berlins neuer Bischof Rainer Maria Woelki:Einsatz in der Diaspora

Die katholische Kirche ist "keine Moralanstalt": Rainer Maria Woelki, der neue Erzbischof von Berlin, ist ein Mann mit Ecken und Kanten. Zum Amtsantritt überraschte der konservative Kölner Katholik mit der Ankündigung, auch mit Lesben, Homosexuellen und Moslems ins Gespräch kommen zu wollen.

Constanze von Bullion

Es war eine Begrüßung nach Berliner Art, eher rau als herzlich und vor allem: direkt. Dürfen Homosexuelle Sex haben? Gehört der Bischof zu Opus Dei? Kommt Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen vom Zölibat? Kaum eine knifflige Frage blieb Rainer Maria Woelki erspart, als er sich am Dienstag als neuer Berliner Erzbischof der Hauptstadtpresse vorstellte.

Rainer Maria Woelki - Neuer Erzbischof für Berlin

Der neu ernannte Erzbischof von Berlin, Rainer Maria Woelki, überrascht ein wenig mit seinen Ankündigungen.

(Foto: dpa)

Woelki ist 54 Jahre alt, Weihbischof von Köln und ein konservativer Intellektueller, dessen Berufung in Berlin nicht nur auf Begeisterung gestoßen ist. Woelki tritt auf Wunsch des Papstes die Nachfolge des verstorbenen Berliner Erzbischofs Georg Sterzinsky an. Für Woelki ist das ein Karrieresprung, jeder Berliner Erzbischof wird Kardinal. Ihm sei zunächst "der Schreck in die Glieder gefahren", als er von der Entscheidung gehört habe, sagte Woelki, der sichtlich bemüht war, Vorbehalte gegen seine Person auszuräumen.

"Ich möchte versuchen, natürlich vor allem für unsere katholischen Christen da zu sein, aber auch für Menschen anderer Religionen", sagte Woelki, der "Offenheit" gegenüber allen gesellschaftlichen Gruppen ankündigte und in Berlin "erstmal genau hinhören" will. Von August an werden 391.000 Gläubige zu Woelkis Sprengel gehören, neun Prozent der Berliner Bevölkerung. Für einen, der aus dem katholischen Köln kommt und aus dem unmittelbaren Umfeld des traditionsbewussten Kardinals Joachim Meisner, ist der Einsatz in der Berliner Diaspora zweifellos eine Prüfung.

"Auch Wowereit ist Katholik"

Woelkis erster Auftritt in der Katholischen Akademie Berlin dauerte denn auch gut anderthalb Stunden, immer wieder war er mit kritischen Fragen konfrontiert, vor allem zum Thema Homosexualität. Ob es stimme, dass er einem Bewerber gesagt habe, Homosexualität stehe im Widerspruch zur göttlichen Schöpfungsordnung, wird Woelki gefragt. "Ich habe diesen Satz nicht in die Öffentlichkeit gebracht", antwortet der Bischof, der es bei Ausweichmanövern aber nicht belassen will. "Ich stehe natürlich zur katholischen Lehre zur Homosexualität", sagt er dann, und dass die katholische Kirche "keine Moralanstalt" sein.

Ob die katholische Lehre nicht fordere, dass Homosexualität nicht in der Praxis gelebt werde, hakt eine Journalistin nach. Er halte sich da an den Katechismus, antwortet Woelki. "Die Praxis", er zögert kurz, "ist vor Gott nicht geordnet". Später wird er gefragt, ob er Klaus Wowereit auf seine ungeordnete Praxis ansprechen will. Da wird der Bischofs leise unwirsch, er weise das "in aller Deutlichkeit zurück", habe "Respekt", gerade vor dem Bürgermeister, "er ist auch Katholik".

Nein, sagt Woelki, er sei kein Mitglied bei Opus Dei, auch nicht für Frauen als Priesterinnen oder die Abschaffung des Zölibats, "es ist die Lebensform Jesu". Zur Frage nach der Ökumene sagt er, er wolle mit Protestanten reden, besonders über "Lebensschutz".

Aber auch um Muslime, die "in Wahrhaftigkeit" Gott suchen, mache er keinen Bogen, es gelte die Religionsfreiheit. Allerdings würde er sich im Blick auf Muslime "auch freuen", schiebt Woelki noch nach, "wenn ich mich als Christ in ihren Ländern ebenso frei bewegen dürfte". Ein Bischof mit Ecken und Kanten kündigt sich da an. Man wird noch von ihm hören.

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